Mit lautem Hurra und Trompetengeschmetter sausten dann die brandenburgischen Husaren unter Major Sohr in den Pulverqualm hinein, die brandenburgischen Ulanen folgten, die litauischen Dragoner unter dem Grafen Henckell ebenso, und dann alles, was noch an Kavallerie da war. Mit verhängten Zügeln ging es auf die feindliche Stellung los, zwischen die Batterien hinein, die Artilleristen wurden umgeritten und niedergesäbelt, die Karrees zusammengehauen, und alles, was noch Leben und Atem hatte, in wilder Flucht und immer zunehmender Auflösung vor den Pferden hergetrieben.
Alles, was Yorck noch an Truppen verfügbar hatte, ließ er jetzt zur Verfolgung vorrücken. Die Tamboure schlugen den Sturmmarsch, und Ostpreußen, Schlesier, Mecklenburger und Brandenburger taten ihr Bestes, um die Niederlage des Feindes so vernichtend wie möglich zu gestalten.
„Das sind alles die ‚Feiglinge‘ von Jena gewesen!“ sagte Yorck noch einmal, als er mit dem jungen Rittmeister die Einzelheiten des Kampfes durchgesprochen hatte. „Aber noch so’n Tanz, und ich habe keine Leute mehr! Mancher Mutter Sohn hat heute die Erde küssen müssen! Zu viele waren’s, – – zu viele!“
„Dafür soll das Korps nun auch Ruhe haben!“ antwortete der Rittmeister, und meldete zugleich, daß das Korps Yorck am nächsten Tag nach Wahren zurückkehren sollte, um sich da neu zu formieren, und daß die Russen unter Sacken dafür in die Schlachtlinie einrücken würden.
„Der Teufel auch!“ rief Yorck zornig. „Das Schlachtfeld, das wir gegen den Feind behauptet haben, behaupten wir auch gegen die Freunde. Das werden wir wohl den Russen überlassen?! Nimmermehr!“
Der Rittmeister erwiderte, er hätte selbst Gneisenau die Disposition diktieren hören. Wobei Yorck in Wut kam und eine ganze Reihe von Grobheiten gegen Gneisenau losließ, von dem das wieder nichts als bodenlose Niedertracht wäre.
Da klang von einem der Biwakfeuer das alte Lied: „Nun danket alle Gott!“
Am nächsten Feuer wurde der Gesang aufgenommen und pflanzte sich so weiter von Feuer zu Feuer über das ganze blutgetränkte Feld, bis es, von Tausenden von Stimmen getragen, gewaltig anschwoll, in machtvollen Klängen alle anderen Geräusche verschlang, wieder abnahm, in sich zusammensank und verstummte.
Yorck hatte seinen Hut abgenommen und stand da, still, gebeugten Hauptes, und lauschte auf das Lied, bis es aufhörte. Dann sprach er seinen alten Lieblingsspruch leise vor sich hin: „Anfang, Mitte und Ende, Herr Gott zum besten wende!“, setzte seinen Hut auf und verabschiedete den jungen Rittmeister mit dem kurzen Befehl: „So, nun gehe Er an seinen Dienst!“
Auf einem anderen Platz des Schlachtfeldes stand noch jemand mit entblößtem Haupt und sang das Danklied mit. Es war Blücher.