Das hätte er aber nie und nimmer gekonnt, wären unsere Regierenden nicht solche Schlappschwänze gewesen! Nun müssen die Besten unter uns bluten, um das wieder gutzumachen. Und was dem König dann zum Regieren übrigbleibt, das sind eben jene Biederen, die Napoleon so brav die Schuhsohlen zu lecken wußten! Wenn ich aber entscheiden müßte, was uns mehr unnütz vergossenes Blut gekostet hat, unsere liebe Regierung oder die übergeniale Leitung, die wir hier in der Schlesischen Armee haben, und die sich heute wieder so verflucht gescheit bewährt hat, daß wir bald alle draufgegangen wären – ich wüßte nicht, wem ich den Preis zusprechen müßte!“
Und dann zog er gegen Gneisenau los, in dem er die Wurzel alles Übels sah, und über Blücher, der jenen gewähren ließ.
Die ewigen Hin- und Hermärsche seit dem Elbübergang bei Wartenburg, erst mit Gewaltmärschen auf Leipzig zu – dann zurück nach der Mulde, als Napoleon folgte, und hinter die Saale, als jener gar bis Düben vordrang! Alles nur unnützes Leuteschinden!
Die Schlesische Armee mußte so, nur wegen der Unruhe Blüchers, hin und her wie das Schifflein im Webstuhl, und zog außerdem die ganze Hauptmacht Napoleons auf sich, weil der Kronprinz von Schweden nur eine Stunde täglich marschieren wollte, und die Hauptarmee im Schneckentempo sich über die böhmischen Berge nach Sachsen hineinschob. Als die sich dann endlich Leipzig so weit wie bis Liebertwolkwitz genähert und die Reitermassen Murats von dort bis auf die Stadt zurückgeworfen hatte, so daß Napoleon eiligst zum Entsatz zurück nach Leipzig mußte und von Blücher abließ, da gönnte dieser seinen Leuten nicht die so sehr nötige Ruhe, da ging’s gleich in Eilmärschen hinter Napoleon her und sofort in den Kampf, kaum daß man sich ein wenig verpusten und abkochen konnte! Wobei Bernadotte, wie immer, sein Bestes tat, um mit der Nordarmee nicht zu früh zur Stelle zu sein, um helfen zu können.
„Unsere geniale Führung hatte eben so verdreht rekognosziert, daß alles bald schief gegangen wäre – wäre nicht der preußische Soldat eben der preußische Soldat gewesen!“ Und er schimpfte auf Blücher los.
Der hatte sich natürlich in den Kopf gesetzt, daß der Feind von Osten über das Plateau von Breitenfeld angreifen würde, statt aus dem Süden von Leipzig aus, wie er’s auch nachher wirklich tat. Er stellte also die ganze Armee mit der Front gen Osten auf, wobei das Yorcksche Korps den Feind an der rechten Flanke zu fühlen bekam, rechts drehen mußte und vom Korps Langeron abkam, das in der alten Richtung gegen die paar Feinde, die dort standen, weiter vorging. Da [pg 321]das Korps Sacken als Reserve zurückgeblieben war, mußte also Yorck allein den Hauptkampf ausfechten.
Das ganze Korps des Marschalls Marmont stand da um und hinter dem an der Elster liegenden Dorfe Möckern als Gegner und verteidigte seine Stellung mit der äußersten Hartnäckigkeit.
Um jedes Haus, um jedes Gehöft wurde Mann gegen Mann gekämpft, die Landwehrleute schlugen mit dem Kolben drein, das Dorf wurde wiederholt erobert und ebensooft verloren, die feindliche Artillerie warf ganze Reihen von den Angreifern nieder. Yorcks Brigaden schmolzen hin wie Schnee an der Sonne.
Aber er ließ nicht locker, wo er einmal angefangen hatte.
Als er seine letzten Infanteriereserven verbraucht hatte, gab er endlich der Kavallerie Befehl zur Attacke.