Es galt für ihn den Rückzug zu sichern. Auf der von Kaiser Franz freigegebenen Straße über Lindenau hatte Napoleon bereits Bertrand nach Weißenfels vorausgesandt, um Brücken über die Saale zu schlagen. Und jetzt, bei beginnender Dämmerung, fingen die französischen Kolonnen schon an, sich über den Ranstädter Seitenweg aus der Stadt hinauszuschieben, und schlüpften so allmählich Regiment für Regiment aus dem feuerspeienden Ring heraus, den die verbündeten Truppen um sie geschlagen hatten.

Napoleon gab also die Schlacht verloren.

Freudestrahlend galoppierte Schwarzenberg mit der Siegesnachricht heran. Und die drei Monarchen sanken bewegt [pg 343]in die Knie und dankten inbrünstig dem Himmel für den Sieg, den ihnen ihre Völker mit ihrem Blut und Aufopferung von Leben und Gesundheit erstritten hatten. Sie schoben somit dem Himmel diese Tat zu und waren alsdann der Pflicht überhoben, ihren Völkern dafür zu danken.

Die Völker hatten einfach ihre verfluchte Pflicht und Schuldigkeit getan. Die konnten dann, nach glücklich beendigter Löwenjagd und Erlegung des Wildes, wieder an die Kette gelegt werden, damit sie kein Unheil anrichteten und nicht am Ende jetzt, nachdem sie Blut geleckt und die Freiheit von fremder Tyrannei erstritten, auch noch der heimischen los und ledig sein wollten.

Drüben hinter Probstheida, an der Tabaksmühle, saß in der Dämmerung müde und zusammengebrochen der gefallene Herr der Welt am Biwakfeuer.

Um ihn herum wankte alles. Sein ganzes Werk – der stolze Bau seines Weltreiches, von keiner inneren Notwendigkeit getragen, von seinem Ehrgeiz nur und durch die Macht seiner gewaltigen Persönlichkeit zusammengekittet, drohte zusammenzustürzen. Stück für Stück bröckelte es bereits ab und würde am Ende ihn selbst unter seinen Trümmern begraben.

Und was bliebe davon übrig?

Der Fluch der Geknechteten, der Ruhm unsterblicher Heldentaten –, Verarmung, Entvölkerung, Hunger und Elend überall, wo er seinen Fuß hingesetzt hatte. Kein Funken Liebe schlug ihm entgegen aus dem ganzen Rund seines Riesenreiches, kein menschliches Gefühl des Dankes, nur kühle Bewunderung und unermeßlicher Haß.

Wer Haß sät, erntet Haß. Rücksichtslos waren seine Schläge auf die Völker niedergesaust, hatten Gutes und Schlechtes miteinander niedergerissen und Neues dafür aufgebaut! Aber auch das nur mit Gewalt! Gewalt war der Anfang, Gewalt das Ende.

Ob er wohl aus dem Chaos sich noch ein Stück des Ganzen retten und dort wieder anfangen könnte, Neues zu schaffen?