Das Stoßen auf dem Parkett hörte auf. Der Klumpfuß hielt still, die sanfte Stimme Talleyrands drang durch. Er sprach zu dem neben ihm gehenden Abgesandten des entthronten Königs von Sachsen, dem Grafen Schulenburg.
„Es ist nicht leicht, mein lieber Graf“, sagte er im nonchalanten Ton. „Ich habe meine liebe Not mit Ihren Angelegenheiten gehabt! Viel Arbeit, viele Schreibereien, unzählige Konferenzen! – Ich knausere auch mit Geschenken nicht! – Nun, dafür setze ich meinen Willen durch! Wir können nicht dulden, daß ein treuer Freund Frankreichs, wie es Sachsen immer war, so mir nichts, dir nichts von der Karte weggewischt wird! Ihr Souverän war des Kaisers Freund – und wir haben jetzt einen König! Gleichviel! Die Person des jeweiligen Monarchen hat wenig zu sagen. Die Politik bleibt, wie sie war! Nun – Sie sehen, ich bin geblieben – ich mache sie doch eben! Also ich werde mein Bestes für Sie tun! Sagen Sie das Ihrem Monarchen! – Selbst kann ich nicht an ihn herantreten – es würde meine Bemühungen für ihn nur kompromittieren, ließe ich etwas merken. So etwas muß behutsam, hintenherum gemacht werden! – Flüstern Sie’s ihm also zu: er kann sich auf mich verlassen! Ich werde es an nichts fehlen lassen, an gar nichts! Die Räte aber, die die Akten machen und deren Inhalt auch, sie sind schlecht bezahlt. Sie brauchen Aufbesserung, nehmen sie auch gern an! – Mein Gott – man hat Familie, man hat Schulden, man muß sich vorsehen, und nimmt den Segen, wo man ihn findet! Was ist dabei?! Ich werde es auch da an nichts fehlen lassen!“
„Daran dachte mein erhabener Souverän auch“, beeilte sich der Graf dazwischen zu kommen. „Durchlaucht werden Aufwendungen für uns gemacht haben.“
„Ich bitte Sie, lieber Graf!“
„Das darf nicht sein. Der König wünscht wohl und ist auch damit einverstanden, daß an nichts gespart wird. Er bittet Durchlaucht, über seine Kasse zu verfügen. Am liebsten würden wir einen Fonds zur völlig freien Disposition bereitstellen!“
„Ungern trage ich Verantwortung für fremde Gelder!“
„Kein fremdes Geld, und von Verantwortung auch keine Rede! Durchlaucht wollen ganz nach eigenem Ermessen und [pg 392]ohne Rechnung zu legen über den Fonds verfügen, als handle es sich um eigenes Geld. Nur eine einzige Bedingung – –“
„Bedingung?!“
Talleyrand runzelte die Brauen.
„Eine leicht zu erfüllende: – strengste Diskretion!“