„Dem Fürsten Blücher befehlen, daß er sich sofort auf seinen Posten begeben soll! Ernennen ihn zum Oberbefehlshaber unserer ganzen Armee!“ sagte der König von Preußen im Gehen zu seinem Kanzler und ließ sich noch rasch Lord Wellington vorstellen, der allein im ganzen Saale kühl lächelnd dastand und das Auseinandertanzen des Friedenskongresses beobachtete.
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Kaum war Blücher in seinem Hauptquartier zu Lüttich angelangt, da wurden ihm die Fensterscheiben eingeworfen.
Draußen schrie man: „Vivat Napoleon! Hoch Friedrich August! Nieder mit Preußen!“ und machte einen Höllenlärm, schwang die Waffen und lief Sturm aufs Haus.
Es waren die guten Sachsen.
Sie waren mit den Beschlüssen des Wiener Kongresses über sich nicht ganz zufrieden. Sie erhoben ihre Stimmen und wollten gar mitreden. Die achtmalhunderttausend verratenen und verkauften sächsischen Seelen muckten dagegen auf, ihre wunderschönen grünweißen Landesfarben in preußisch Schwarzweiß umtauschen zu müssen. Der ganze Handel gefiel ihnen nicht. Sie bedankten sich, und man konnte es ihnen nicht verdenken.
Als man aber Ernst machte, als das preußische Oberkommando anfing, die sächsischen Truppenverbände, die jetzt zur Abwechslung gegen, statt für Napoleon ausgezogen waren, zu zerreißen und die Böcke von den Schafen zu trennen, siehe, da wollten sie alle keine Schafe sein, da bockten sie heidenmäßig auf und machten ein groß Geschrei. Die, „welche noch“, und die, „welche nicht mehr“ sächsisch sein sollten, wurden plötzlich ein Herz und eine Seele, als seien sie nicht mehr Kinder eines Volkes und gar eines deutschen Stammes. So einig waren sie gegen ihre neuen Gewalthaber.
Sie meuterten also förmlich und fühlten sich dazu nicht [pg 397]nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, da ihr König sie noch nicht ihres Treueides entbunden hatte.
Der hatte damit keine Eile.
Er hoffte im geheimen auf den Sieg Napoleons. Im Geiste sah er sich wieder im ungeschmälerten Besitz seiner achtmalhunderttausend grünweißer Seelen und etlicher schwarzweißer dazu.