„Ruhe, ihr Biester! Oder wollt ihr etwa auch mariage tun?“ schrie der König und schlug nach seinen Lieblingen, zum maßlosen Staunen der Lakaien. „Ruhe, Mene! Tu beau Alceste! Wo hat Er das Gesuch des Rittmeisters, Lölhöffel? Geb Er den Wisch her!“

Und er riß dem General das Papier aus der Hand, humpelte, so gut es ging, auf seinen alten gichtischen Beinen an ihm vorbei ins Arbeitszimmer hinein, warf das Papier auf die schräge Tischplatte, ergriff einen Federkiel, stieß ihn mit Wucht in die Tinte, daß sie weit herumspritzte, kratzte dann mit zitteriger Hand eiligst ein paar Worte unter das Gesuch und sprach sie, wie immer, beim Schreiben laut vor sich hin.

„Der Rittmeister von Blücher kann sich zum Teufel scheren!“

Er warf den Federkiel fort.

„Mag er sich in des Teufels Namen kopulieren lassen, soviel er will! Aber unter meine Husaren führet er keine Schürzenwirtschaft ein! Basta!“

Dann ließ er den General stehen, eilte mit gehobenem Stock wieder ins Schlafzimmer hinein, wo die Hunde nur mit Mühe von den Lakaien gebändigt werden konnten, und hieb – nicht die Hunde – aber die Diener durch, die so [pg 37]schlecht aufpaßten, daß ihm heute keine Ruhe zum Regieren blieb!

Und Lölhöffel zog mit langem Gesicht ab. Es war ein schnöder Abschied für einen langgedienten, braven Offizier wie Blücher. Aber mit der Despektierlichkeit durfte man dem Alten Fritz nur vorsichtig nahen! Und mit der mariage nimmermehr!

4
Im Schatten

„Hätte ich noch den schwarzen Dolman angehabt,“ sagte der Rittmeister Blücher und hieb Treff-As auf den Tisch, daß er zitterte, „weiß der Deibel, ich hätte mir vielleicht doch noch die Sache überlegt! Denn den hatte ich mir sozusagen mit der Waffe in der Hand erobert und in Ehren getragen! Im roten Dolman hatte ich immer das Gefühl: den ziehst du bald wieder aus! Gemütlich war’s ja nicht, drin zu stecken, nachdem der Alte Fritz die von Gersdorffschen aufgelöst hatte und uns kommandierte, in ihre entehrte Pelle zu schlüpfen! Trotzdem ziehe ich sie mit Wonne wieder an, wenn’s endlich so weit gediehen ist mit der königlichen Gnade! Kinder!“ rief er, schob seinen Stuhl zurück und füllte die Gläser, während der Postmeister die Karten mischte und der Apotheker Gewinn und Verlust der letzten Runde getreulich buchte. „Mit keinem König möchte ich tauschen, so vergnügt bin ich heute!“