Er wandte sein Pferd und ritt langsam an dem allein dastehenden weißen Gebäude von Belle-Alliance vorbei, nach dem weiter hinten an der gleichen Chaussee liegenden Pachthof Caillou, wo er sein Hauptquartier hatte.

Dort angekommen, fühlte er plötzlich, wie schon sooft in den letzten Jahren, eine beginnende Ohnmacht im Gehirn.

Es war kein Wunder.

Am gestrigen Tag war er von früh um fünf bis zum späten Abend marschiert, dann seit ein Uhr nachts wieder im Sattel, und hatte die Gegend und die feindlichen Stellungen bei strömendem Regen selbst rekognosziert. Jetzt hatte er alles angeordnet, den Angriffsplan entworfen, die Armee aufgestellt und gegen die Ungeduld seiner Generäle angekämpft, die schon gleich in aller Frühe angreifen wollten, ehe der Boden so weit von den Regengüssen aufgetrocknet war, [pg 419]daß die Artillerie vorwärts konnte. Das spannte seelisch ab. Jetzt war er zu Ende, jetzt mußte sein Gehirn Ruhe haben.

Er rief seinen Bruder Jérôme.

„Es ist zehn Uhr“, sagte er. „Ich will eine Stunde schlafen. Um elf sollst du mich wecken – die anderen wagen es ja nicht. Um elf Uhr, keine Minute später!“

Damit streckte er sich auf seinem Feldbett aus, legte seinen Kopf auf das dünne Kopfkissen und schlief, wie er es jederzeit konnte, sofort ein.

Inzwischen marschierten die Preußen.

Durch unwegsames Gelände strebten sie in großem Bogen wieder zur Chaussee Namur–Brüssel zurück, die sie bei Sombreffe hatten verlassen müssen.

In Wawre rasteten sie, trockneten ihr durchnäßtes Zeug, schafften sich etwas Warmes in den Leib, brachten ihre Waffen in Ordnung, ergänzten ihre Munition und waren guten Mutes trotz der Strapazen und der bei Ligny erlittenen Verluste.