Eine Salve aus hundertundzwanzig Feuerschlünden antwortete, spie einen Orkan von Eisen über die englischen Stellungen, erschütterte die Luft und machte den Boden beben.

Nach einer halben Stunde hörte der Höllenlärm auf, ebenso jäh, wie er angefangen hatte, und man konnte jetzt ein lebhaftes Geknatter vom linken Flügel hören, wo General Reille seine Infanterie gegen das Schloß Houguemont führte.

Napoleon achtete besonders eifrig darauf, ob der Gegner sich durch jene Kämpfe verleiten lassen würde, Truppen zur Unterstützung seines rechten Flügels heranzuziehen, und so seinen linken, gegen den der Hauptangriff beabsichtigt war, zu schwächen.

Er wollte eben Ney befehlen, mit dem Zentrum und dem rechten Flügel vorzugehen. Als er aber vorher die Gegend mit dem Fernrohr absuchte, stutzte er plötzlich, reichte Soult das Glas und sagte: „Sehen Sie dorthin, Herr Herzog, nach [pg 422]rechts, neben der Kapelle von St.-Lambert – dort, ja! Ich sah da einen beweglichen Schatten. Was halten Sie davon?“

„Es könnten die Wipfel eines Gehölzes sein“, sagte der Marschall und gab das Fernrohr zurück.

„Es sind Truppen in Marsch!“ sagte Napoleon und reichte sein Fernrohr weiter an die anderen Offiziere, die seine Annahme bestätigten.

Klein wie die Figuren einer Spielzeugschachtel bewegten sich die Truppen auf der fernen Anhöhe, aber so vom blauen Dunst umnebelt, daß weder Bewaffnung noch Uniform zu erkennen waren.

„Es können die Preußen sein!“ meinte ein Offizier, indem er dem Kaiser das Fernrohr zurückgab.

„Es muß Grouchy sein!“ erwiderte Napoleon gereizt. „Man soll sofort Kavallerie zum Rekognoszieren aussenden! Bis die Frage geklärt ist, unterbleibt der Angriff Neys!“

Er brauchte nicht lange auf Bescheid zu warten.