„Darum brauchst du nicht zu bangen! Ich komme nicht um! Ich bin fest überzeugt, daß mir gegeben wurde, im Leben etwas Besonderes zu leisten! Das macht fest gegen Schuß und Hieb! Wenn ich auch manchmal etwas abgekriegt habe –, das Leben hat’s noch nicht gekostet! Zum Krüppel wurde ich auch nicht! Und heute, wo ich bis zum Hals versank und mich kaum noch bewegen konnte, auch heute verließ mich die Zuversicht nicht, sondern ich dachte: ‚Habe ich etwas im Leben zu tun, so bleibe ich wohl am Leben!‘ Und [pg 45]ich blieb! Die rettende Hand war gleich zur Stelle! Das gibt mir Zuversicht. Denn so wie auf der heutigen Jagd, so war mein ganzes bisheriges Leben, seitdem ich den Dienst quittierte. Bis zum Hals im Schlamm versunken, ohne Möglichkeit, mich zu bewegen, wenn nicht bald die Hilfe kommt, mich aus dem Sumpf herausbringt, mich wieder als Soldat einstellt und mich mittun und mitleben läßt! Denn so wie jetzt geht’s nicht weiter! So komme ich um! So versumpfe ich ganz und gar!“
„Warst du denn so unglücklich mit mir?“
„Wie kannst du nur fragen? Saumäßig wohl war’s mir die ganze Zeit! Ein stolzes Gefühl, als freier Herr auf eigenem Grund und Boden zu schalten und zu walten und zu sehen, wie wir vorwärtskamen und uns wohl dabei standen! Ich trug schon die Nase gehörig hoch bei all der Anerkennung, die mir von allen Seiten zuteil wurde! Das leugne ich gewiß nicht! Aber das ist gewesen, und das soll mich von nichts mehr abhalten dürfen! Alles hat seine Zeit! Das mußte auch erlebt sein, und das habe ich erlebt! Das genügt aber nicht! Das erfüllt mein Leben nicht! So schlafe ich ein, geistig wie leiblich. Und das darf nicht sein! Ich habe den Trieb, mich weit darüber hinaus zu betätigen, und wenn’s mir das Leben kosten sollte! Vorwärtsstürmen aufs Unmögliche los, um es möglich zu machen und auch andere dazu treiben! Das habe ich! Das kann ich! Ob’s der Abenteurer ist, der mir im Blute liegt – ob’s weiter nichts ist als purer Leichtsinn –, jener Trieb muß befriedigt werden, oder ich krepiere!“
Die Frau Rittmeisterin blickte auf.
„Man soll das Leben nur für etwas einsetzen, was des Lebens wert ist!“
„Wer nicht bereit ist, es stets und immerdar für seine Sache einzusetzen, wie gering sie auch anderen scheinen mag, der ist nicht wert, zu leben!“
„Du wirfst es aber hin, wie wenn du Geld auf eine Karte setzest.“
„Und gewinne es zehnfach wieder!“
„Wenn du nicht Pech hast, wie meistens – Pech beim Spiel, Pech auf der Jagd, Pech in der Liebe –“
„Wie kannst du das sagen?“