„Wieso nicht?! Wo du mit einer Frau leben mußtest, die dir weiter keine Empfindungen eingeben konnte als das Gefühl, an ihrer Seite im Sumpf zu versinken!“
„Verdrehe meine Worte nicht! Versteh mich recht: ich fühle mich zurückgesetzt, ausgestoßen, zu nichts nutz! Bloß als Brotverdiener auf der Welt und weiter nichts! Mein Leben geht dahin, und ich leiste nichts! Die Zeit schwindet, und ich stapfe noch immer auf demselben Fleck! Wenn ich sehe, wie weit es meine ehemaligen Kameraden inzwischen gebracht haben – –“
„Da solltest du dem Himmel danken, daß du des Königs Rock beizeiten auszogst! Denn das machte dich zum freien Mann und erhielt deinen Sinn unabhängig! Gott behüte, daß du heute da stehen solltest, wo deine Kameraden jetzt sind. Keinen Schritt könntest du machen ohne Befehl –, keine Bewegung außer der reglementierten! Das kannst du aber jetzt –“
„Das kann ich jetzt erst recht nicht, wo ich die Rücksicht auf die Familie und auf unser täglich Brot über alles andere stellen muß. Ich ziehe jedenfalls das soldatische Reglement dem der Ehe vor! Verzeihe mir, aber es mußte einmal klar und deutlich ausgesprochen werden.“
„Ich glaube,“ sagte die Frau Rittmeisterin, ohne die geringste Bewegung zu verraten, „ich glaube, daß unsere Ehe dir genug Bewegungsfreiheit für deine persönlichen Neigungen ließ. Jedenfalls nahmst du sie dir mehr als reichlich!“
„Das tat ich! Und das hätte ich auch als Offizier getan. Ich war dumm, als ich den Dienst quittierte!“
„Du warst weder dumm noch klug, du warst ein aufrechter Mann. Und niemals habe ich dich mehr geliebt als in dem Augenblick, wo du Manns genug warst, deine Würde zu wahren. Denn Unrecht geschah dir, als ein Fürstensprößling dir vorgezogen wurde, der dir sowohl an Meriten wie an Dienstjahren nachstand. Und du tatest recht, als du dem [pg 47]König daraufhin deinen Degen vor die Füße warfst! Jetzt aber, wo du jahraus, jahrein dem König schreibst und ihn um Wiedereinstellung als Offizier anbettelst, jetzt schäme ich mich deiner! An die zehnmal schriebst du ihm! An die zehnmal gab er dir den Fußtritt, der dir ob solchen kläglichen Gewinsels gebührte!“
„Hör auf!“
„Hörtest du wohl auf mit deinen Bettelbriefen? Schriebst du nicht unter jeden Brief: ‚in allertiefster Devotion ersterbend, Eurer Königlichen Majestät alleruntertänigst gehorsamer Knecht‘? –“
„Phrasen, weiter nichts!“