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Einige Jahre später stand er vor ihr in ihrer kleinen Wohnung im pommerschen Städtchen Rummelsburg, hatte den Feldzug in Holland hinter sich, hatte den Verdienstorden um den Hals und war im Begriff, sich wieder von ihr zu verabschieden, um in den Krieg gegen Österreich zu ziehen.

Er sah ihre bleichen Wangen, ihr abgezehrtes Gesicht, ihren müden Blick, sah mutlose Resignation in ihrer ganzen Art, sich zu geben, und sein Herz schnürte sich zusammen. Seinem Beruf zuliebe hatte sie auf das Landleben verzichtet. Ihre Güter, an denen sie hing, die aber aus der Entfernung nicht bewirtschaftet werden konnten, waren verkauft. – Groß war das Opfer, das er von ihr verlangt hatte – er sah es ein. Aber er hatte nicht anders handeln können. Und jetzt galt es wieder Abschied nehmen.

„Diesmal wohl für immer“, sagte sie wehmütig lächelnd. „Ich dachte es schon damals, als du in den holländischen Feldzug gingst. Und einmal muß es ja sein! Es ist ja auch besser so. Ich sehe es ein – ich bin dir im Wege und muß fort. Ich beklage mich nicht. Du warst immer gut, immer lieb zu mir. Du kannst wohl aber nicht aus deiner Haut heraus. Dein Beruf muß dir ja über alles gehen, und mir kommt es zu, ihn nach Kräften zu fördern. Ich gehe also [pg 51]hinüber zu den Kindern! Es muß auch nach ihnen geschaut werden! Sie rufen mich schon oft, viel lauter als die Lebendigen. Bleib du denen ein guter Vater. Und hab’ Dank für alles. Es war schön mit dir. Und wenn ich nochmals mein Leben anfangen könnte, ich würde dich wieder nehmen!“

Er schloß sie in seine Arme und küßte sie. Seine Tränen mischten sich mit den ihren.

Dann riß er sich los, eilte hinaus, stieg in den Sattel und zog an der Spitze seines Regiments sang- und klanglos zur Stadt hinaus.

„Wenn i kumm, wenn i kumm, wenn i wiederum kumm – –“ summte er dabei leise das alte Lied.

Als er aber wiederum kam – da war die Hochzeit gewesen. Ein anderer Freier, der nirgends ungehört anzuklopfen pflegt, hatte ihr das Brautbett gerüstet und sein Liebstes in kühler Erde zur letzten Ruhe gebettet.

Die Kinder kamen zu den Großeltern, und nichts war mehr da, was ihn fesselte.

Der junge Adler war aus dem Nest heraus und hob seine Schwingen zum Flug.