Der Prinz, dem die Lebenslust schon weit erlesenere Freuden vorgaukelte, sagte leicht seufzend zu, und man ging in den Salon. Er setzte sich ans Spinett und ließ sein Ungestüm über die Saiten dahinbrausen.

Die Spannung legte sich. Die fiebernde Unruhe wich aus den Gemütern. Langsam sanken die Menschenkinder aus den rosenroten Wolken, in denen sie soeben hoch über allem Erdgebundenen geweilt hatten, zurück zur Alltagserde.

Der Prinz merkte es. Die Gelegenheit war nahe daran, ihm aus den Händen zu schlüpfen. Das durfte nicht sein. Er schloß mitten im Stück, sprang auf und setzte sich der Generalin zu Füßen.

„Hier ist der einzige Platz, von dem aus man Ihnen Ritterdienste widmen darf!“ sagte er feurig. „Ihnen zu Füßen, Ihnen zu Ehren, Ihnen zuliebe singen und dichten, um aus Ihrer Hand den Sängerpreis zu empfangen.“

„Hoheit bringen mich in Verlegenheit!“

„Sie waren ebenso grausam, mich in die größte Verlegenheit zu bringen! Denn so befangen war ich noch nie. Meine Hände spielten – mein Herz nicht! – Mein Herz lag hier vor Ihnen im Staube – und hat mir meinen Platz gezeigt! Hier habe ich wieder die Macht über mich gewonnen [pg 79]– hier singt wieder alles in mir. Und wenn Sie befehlen, flechte ich aus meinen Gefühlen für Sie einen Kranz, ziere ihn mit Reimen und biete ihn Ihnen auf den Knien als eine Gabe der Hochachtung dar. Genehmigen Sie’s gnädigst?“

„Sag’ du ruhig ja, Malchen, geniere dich nicht und danke für die Gnade“, fiel ihm Blücher in die Rede. „Dichtung ist Dichtung und hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun!“

„Sagen Sie das nicht, General“, antwortete der Prinz. „Die Dichtung führt manchmal die Wirklichkeit herbei – auch wenn sie ihr noch nicht entnommen werden könnte! Seien Sie nur nicht sicher!“

Er lächelte übermütig und trommelte dabei wie suchend einen Rhythmus auf der Erde vor sich hin. „Hören Sie erst, und dann entscheiden Sie! Darf ich anfangen?“ wandte er sich an die junge Frau.

„Ich bitte darum, Hoheit!“