„Machen wir uns nicht lächerlich!“
„Ich sorge nur für mich“, sagte Blücher und steckte sich in aller Seelenruhe die Rose ins Knopfloch.
„Guten Abend, General!“ sagte der Prinz kurz, machte kehrt und verschwand mit raschen Schritten in dem immer mehr zunehmenden Dunkel des Abends.
Blücher wandte sich zu seiner Frau, die jetzt herauskam und ihre Hand auf seinen Arm legte.
„Hier hast du die prinzliche Rose, Malchen“, sagte er launig und steckte sie ihr an den Busen. „Behalt’ sie nur. Ich nehm’s dir nicht krumm, wenn dir ihr Duft ein wenig zu Kopfe steigt. So muß es ja sein: alles muß dir zu Füßen liegen, alles in dich verrückt sein. Fürsten und Könige müssen um deine Gunst buhlen und ihre Knochen riskieren um einen Blick deiner Augen. Nimm du’s ruhig an. Daß [pg 85]sie dir nicht zu nahe kommen – dafür sorge ich schon, wie du siehst! In dem Kriegshandwerk nehme ich’s auch mit jedem auf. Ich war selbst kein Kostverächter, als ich jung war!“
Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und blickte zu ihm auf.
„Du hättest das von dem Kinde nicht vor ihm sagen müssen“, sagte sie leise vorwurfsvoll.
„Werd’ nur nicht sentimental, Malchen“, sagte er und gab ihr einen herzhaften Kuß. „Das steht dir nicht, und ich mag’s nicht leiden. Meine Tochter nehme ich jetzt ins Haus, da bist du nicht allein. Viel jünger wie du ist sie nicht, ihr werdet euch gut anfreunden, denke ich! Und so kriege ich sie von ihren Großeltern fort. Die verziehen sie mir nur. Und ich kann für meinen Tod nicht all diese welsche Erziehung der jungen Weiber leiden, wie sie nur Französisch parlieren und sich mythologisch vorschwärmen lassen können.
Die Rike mußt du in Behandlung nehmen, Malchen, wenn sie kommt, und ihr das Welsche gehörig wieder austreiben! Versprich mir das! Und wenn sie auch französisch frisiert sein sollte, wofür sie der Deibel holen soll, so kämm’s ihr nur schleunigst aus! Kämm’s aus, Malchen, sonst lasse ich mich von dir scheiden!“
Damit nahm er sie unter den Arm und ging mit ihr ins Haus hinein.