Da tritt kein anderer für ihn ein!
Auf sich selber steht er da ganz allein!“
So sang er, und die umstehenden Kameraden stimmten mit vorschriftsmäßiger Begeisterung ein! Gegen Sitte und Brauch ließen sich aber auch aus dem hintersten Parkett etliche rüstige Männerstimmen hören, die mit Nachdruck und Überzeugung den Kehrreim über die Köpfe der ahnungslosen Zuschauer herausbrüllten.
Es waren Leute vom Unterbefehl des Kürassierregiments Gensd’armes, dessen Offiziere heute außergewöhnlich zahlreich anwesend waren und Logen und Ränge füllten.
Sie wurden Feuer und Flamme bei den frischen Soldatenszenen des beliebten Schillerschen Stückes, beneideten die Musketiere, Jäger und Kürassiere auf der Bühne und lebten in Gedanken das lustige Lagerleben mit, das so grell vom heutigen Kasernengetriebe abstach. Sie sangen mit und machten ihrem Herzen Luft. Das Publikum horchte auf. Kein Ton des Mißfallens wurde laut, und das gab den noch Zaghaften unter den Marssöhnen Mut. Beim nächsten Vers stimmte schon das ganze hintere Parkett in den Kehrreim ein:
„Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
der Soldat allein ist der freie Mann!“
So sangen sie mit, daß es im Hause dröhnte. Und die eleganten Damen in den Logen und Rängen blickten zu den jungen Offizieren hinüber, ihre Augen glühten, ihr Atem ging schneller; hin und her wogte es warm von Sinn zu Sinn! Und als der dritte Vers stieg, da schlossen sie die Augen und sogen begierig durch halboffene Lippen den Odem ein, der heiß über sie hinbrauste, als überall im Theater die jungen Krieger einstimmten und das Lied laut in den Saal hinausschmetterten:
„Der Reiter und sein geschwindes Roß,
sie sind gefürchtete Gäste.