Es flimmern die Lampen im Hochzeitsschloß,

ungeladen kommt er zum Feste.

Er wirbt nicht lange, er zeigt nicht Gold,

im Sturm erringt er den Minnesold!“

Als aber auf der Bühne die Soldaten sich die Hände gaben, einen großen Kreis bildeten und gemeinsam die Schlußstrophe anstimmten, in die das Lied wie in einem großen erhebenden Aufschrei ausklingt, da hielt nichts mehr das angefeuerte Publikum zurück.

Die Aufregung, in der man gelebt hatte, seit der letzte Übergriff der Franzosen bekannt geworden war – die Entrüstung über sein freches Unterfangen, preußische Gebiete zu besetzen und seine eigenen, vertraglich festgelegten Zugeständnisse an Preußen zu ignorieren –, der ganze beleidigte Nationalstolz, der auf einmal erwacht war, mußte Luft haben, mußte sich ausschreien und austoben, irgendwo und irgendwie! Und da war das Schillersche Soldatenstück mit seinem frisch pulsierenden Blut und seinem heißen, vorwärtsstürmenden Atem wie geschaffen dazu, die Kinder des kühlen Nordens in rauschende Begeisterung zu versetzen. Im Taumel der Gefühle erhob sich das ganze Haus von den Plätzen, die jungen Offiziere eilten an die Brüstung, zückten die Schwerter, ließen die Klingen im Takt mit dem Gesang aufeinanderschlagen und sangen mit, [pg 106]von dem übrigen Publikum durch Zurufe und Winke mit den Tüchern angefeuert.

„Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäunt,

die Brust im Gefechte gelüftet!

Die Jugend brauset, das Leben schäumt!

Frisch auf! Eh der Geist noch verdüftet.