Und setzt ihr nicht das Leben ein,

nie wird euch das Leben gewonnen sein!“

„Und setzt ihr nicht das Leben ein,

nie wird euch das Leben gewonnen sein!“

So sang das ganze Haus mit, und der Vorhang fiel und erhob sich immer wieder vor nie enden wollenden Beifallsstürmen. Das Tücherschwenken und Winken galt aber den Soldaten draußen im Theater noch mehr, als denen auf der Bühne. Und als ein junger Offizier an die Brüstung trat und den König hochleben ließ, da stimmte alles begeistert ein, und es dauerte geraume Zeit, ehe sich das Haus leerte.

Vor dem Theater aber staute sich die Masse der draußen Wartenden mit dem durch die vielen Ausgänge herausströmenden Publikum zu einem undurchdringlichen Knäuel, in dessen Mitte sich allmählich die Offiziere als fester Kern zusammenfanden.

Ein junger Brausekopf sprang auf die Freitreppe hinauf und hielt eine feurige Rede, in der er in derber Soldatenweise dartat, wie sehr es an der Zeit wäre, daß die Jugend jetzt das Heft in die Hand nähme und gutmachte, was das Alter aus Bequemlichkeit und Zaghaftigkeit gesündigt hätte! Endlich wollte man den Franzosen zeigen, daß Preußen noch da sei und in der Welt mitzureden habe! Mit dem feigen Zurückweichen vor welscher Anmaßung habe es jetzt sein Bewenden! Das Schwert müsse jetzt gutmachen, was die Feder unfähiger Staatsmänner gesündigt! Die Tage der Schmach hätten jetzt ein Ende, und ein Hundsfott wäre, wer sich da noch feige um die Pflicht herumdrücke, Leben und Blut für die beleidigte Nationalehre einzusetzen, oder wer gar noch [pg 107]daran dächte, den Franzosen die Hand zur Versöhnung zu bieten! –

„Nieder mit den Franzosen!“ schrien sie alle. „Nach der Botschaft! Nach der französischen Botschaft!“

Wie von einem Gedanken getrieben, stürzten sie vorwärts, lehnten sich mit unwiderstehlicher Gewalt eine Gasse durch die angesammelte Menschenmenge und eilten, die gezückten Waffen über den Köpfen schwingend, auf das Haus der französischen Botschaft zu. Und hinter ihnen her wälzte sich eine tausendköpfige Masse, schreiend, tobend, jauchzend, johlend und alles was lebte und ihr in den Weg kam, vor sich herfegend.

Das Haus der Botschaft lag in tiefem Dunkel. Als die schreiende Menge, die jungen Offiziere mit den blitzenden Waffen voran, auf das Haus zustürmte und den ganzen Platz davor füllte – da huschten rasch ein paar Schatten auf den Balkon hinaus und bogen sich über das Geländer, blickten herab und zogen sich dann schnell zurück.