Jetzt aber galt es, durch einen persönlichen Akt die Würde seiner Stellung zu wahren und mit einer Kundgebung seines Willens dem Geist der Beunruhigung entgegenzutreten, den die jungen Offiziere durch ihre disziplinwidrige Kundgebung entfesselt hatten!

Die Revolte gegen die königliche Autorität – denn nur so faßte sie der König auf – mußte schnell im Keime erstickt werden, ehe sie von Berlin auf das übrige Land übergreifen konnte!

Den Kopf steifnackig in den hohen, goldgestickten Kragen zurückgedrückt – das reiche blonde Haar aus der Stirn nach der Seite gestrichen – die vollen Lippen vom kurzen Schnurrbart mäßig beschattet – die Wangen vom Backenbart eng umrahmt – die Augen trüb melancholisch blickend, so schritt er bedächtig einmal durchs Zimmer und dann noch einmal – blieb vor dem Arbeitstisch stehen und blickte zum Kabinettsrat Beyme hinüber, der mit devoter Haltung, in gemessener Entfernung vom allerhöchsten Schreibtisch, das Resultat der königlichen Erwägungen abwartete.

Ein Zucken durchfuhr die kleine dicke Gestalt, als er die Augen des Königs auf sich gerichtet fand. Beflissen streckte er den Kopf vor, nahm die Hacken zusammen, daß seine krummen Beine ein erstauntes O bildeten; seine kohl[pg 109]schwarzen Augen quollen achtunggebend aus ihren Höhlen hervor, bereit, dem gnädigen Herrn und Gebieter jeden Wunsch vom Gesichte abzulesen und ihn so der Mühe zu überheben, ihm Worte zu verleihen.

Der König sah es, ließ die Finger seiner Rechten einen zaghaften Appell auf der Tischdecke trommeln, blickte dann steif vor sich hin, ohne Beyme anzusehen, und sagte mit sichtbarer Mühe:

„Junge Offiziers maßregeln! Beispiel statuieren! Widersetzlichkeit ausrotten! Haben Befehle gegeben! Er, Beyme, hat für strikte Durchführung und für Beruhigung der Stadt zu sorgen!“

Der Kabinettsrat verbeugte sich schweigend.

Der König wartete, um irgendein Wort der Entgegnung von seinem Getreuen zu hören, nahm dann ein bereitliegendes Dokument vom Tisch und reichte es ihm, sichtlich dadurch belästigt, allein reden zu müssen.

„Lesen!“ befahl er.

Schnell wie ein Wiesel eilte der Kabinettsrat auf seinen krummen Beinen vor, nahm mit tiefer Verbeugung das Papier entgegen, hielt es dicht ans Gesicht und rollte mit seinen Blicken geschwind die Tintenspuren bis zu den Unterschriften ab.