Wo er sich auch hinwandte, überall flüsterte man ihm bald über diese, bald über jene Schönheit Empfehlendes zu! Richelieu hatte einen unerschöpflichen Vorrat an Protegés, für die er plädierte! Und seit einiger Zeit lag ihm, zum Überfluß, noch der Geck Carignan in den Ohren mit jener Tänzerin, von der ganz Paris sprach! — Man würde sie wohl ansehen müssen! — Aber nur ansehen!

Denn in betreff jener Dame schwieg das Mißtrauen Bacheliers total! — Er nahm sich sogar heraus, Zuversicht zu äußern — ja, begeistert von ihr zu reden! — Das war gefährlich! Der Hüter des allerhöchsten Mißtrauens funktionierte nicht mehr! Da galt es aufzupassen! Jene Dame durfte also gar nicht in seine Nähe! — Sie sollte nie bei Hofe tanzen! — Niemals!

Er setzte sich wieder auf.

Wozu hier liegen und sich wegen der eigenen Weibergeschichten Gedanken machen?! — Er war ja der König! — Er hatte sich also vor allem mit dem Sündenregister seiner lieben Untertanen zu befassen! Das war doch seine landesväterliche Pflicht! Man durfte nicht nur an sich selbst denken!

Wenn er aber an seine Landeskinder dachte, da schwieg das höchsteigene böse Gewissen vollends! Denn was die Leute zustande brachten, das spottete jeder Beschreibung! — — Allerdings fingen die Nachrichten an, in der letzten Zeit spärlich zu fließen! — Das Schwarze Kabinett lieferte auf einmal nur politische Nachrichten — statt der befohlenen Resümees aus den täglichen Liebesbriefen! Der Generalpostmeister war wohl amtsmüde?

Ob gestern auch nichts passiert war? — — Das mußte er sofort wissen!

»Bachelier!« rief er. Aber niemand hörte. Kein Bachelier meldete sich.

Entgegen aller Etikette warf der König die Decke ab, setzte sich auf, warf höchstselbst den Schlafrock um, ging zur Tür, öffnete sie und rief:»Bachelier soll kommen!« — Eilte dann wieder zum Bette, schlüpfte in die Pfühle zurück und wartete den Effekt ab!

Bachelier kam atemlos herbeigestürzt und wurde sehr unsanft empfangen.

»Man muß ein König von Frankreich sein, um so schlecht bedient zu werden! — Wir müssen uns selbst aufwarten — müssen aus dem Bette steigen — allein, ganz allein! Wir müssen sogar rufen! Wenn wir hier verrecken, kein Mensch kümmert sich darum, kein Mensch ist da! Obwohl wir das Haus voller Tagediebe haben! — Sonst lauschst du immer an den Türen!«