»Majestät wollen gnädigst verzeihen! Ich hatte aber strengen Befehl, erst um elf anzuklopfen!«
»Und wenn ich nun um zehn sterbe?«
»Der Himmel bewahre uns vor dem Unglück!«
»Du bedienst uns schlecht, Bachelier! Wir sind mit dir unzufrieden! Seit einer Woche hast du uns nichts zu erzählen! — Wenn du wenigstens so viel Eifer zeigtest, uns den Bericht des Generalpostmeisters zu bringen! Aber auch da müssen wir erst befehlen! — Schnell, den Bericht — oder —« und die Blicke des Königs wurden scharf und stechend — »oder sollte auch gestern in meinem Lande nichts vorgefallen sein? Sind wir nach einer Wüste verschlagen — von lauter Schlafmützen umgeben? — Sind meine Granden alle heilig geworden?«
»Alles andere, nur das nicht! Sie sind so unternehmend wie immer!«
»Gott sei Dank! Wir fürchteten schon, der einzige zu sein, der hier etwas Courage hätte! Denke dir, Bachelier, wir liegen hier seit Stunden und ängstigen uns wegen der paar Weibergeschichten, die wir uns geleistet haben! Wir mußten böses Gewissen erdulden — wir kamen sogar in Versuchung, uns schwer schuldig zu fühlen — bloß, weil das Schwarze Kabinett seit geraumer Zeit von andrer Leute Laster schwieg — wir mußten uns geradezu als einziger Sünder in ganz Frankreich vorkommen — wir haben Höllenqualen gelitten!«
»Entsetzlich!«
»Nicht wahr?! Da ist es doch zu verstehen, wenn wir so etwas wie Neugier empfinden! Und du läßt uns warten!«
»Ich bitte alleruntertänigst, Gnade walten zu lassen! Es soll nie wieder vorkommen!«