»Das Kupee steht, wie immer, bereit!« antwortete der Kammerdiener und verschwand, um gleich danach mit einem purpurnen Kissen zurückzukehren, auf dem ein goldener Schlüssel ruhte.
Der Herzog nahm ihn, winkte Fossano und ging. So schnell wie möglich ließ er sich nach dem kleinen Hotel in der Rue Viviennes fahren, wo Barberina residierte, fuhr aber nicht an der Treppe vor, sondern ließ an dem kleinen Gartentor an der hinteren Seite des Parks halten, das stets verschlossen war.
Er öffnete es mit dem goldenen Schlüssel, desgleichen die Tür einer geheimen Treppe, deren Vorhandensein Barberina unbekannt war, und die direkt zu ihrem Schlafzimmer führte — stieg hinauf, von Fossano gefolgt, und blieb lauschend an einer Tür stehen.
»Kein Laut!« flüsterte er nach langem Horchen. »Sie wird noch schlafen!«
»Sicher!« sagte Fossano .»Wenn sie keine Probe hat, schläft sie bis in den Nachmittag!«
»Gehen wir hinein!« flüsterte der Prinz, schob vorsichtig den sämtlichen Schlössern angepaßten Schlüssel ins Loch und drehte ihn um.
Sie standen im Allerheiligsten. Ein betäubender Duft von starkem Parfüm schlug ihnen entgegen. Anfangs konnten sie, vom Sonnenschein draußen geblendet, nichts sehen. Aber allmählich gewöhnten sich ihre Augen an das Halbdunkel. — Das Himmelbett mit seinen zugezogenen Vorhängen aus rosaseidenem Brokat — die nachlässig auf alle Möbel hingeworfenen Kleidungsstücke — die goldgestickten kleinen Pantoffeln am Bett — die Schmucksachen auf der von Kristallflakons funkelnden Toilette traten so allmählich nebelhaft in Erscheinung.
Auf den Fußspitzen schlichen sie an das Bett heran und lauschten den ruhigen Atemzügen der hinter den Vorhängen Schlafenden.
»Sie wacht nicht auf!« flüsterte Fossano beruhigend. »Hoheit können ruhig näher treten! Wenn sie so schläft, könnte höchstens ein Pistolenschuß sie wecken!«