»Ich werde es ihm auch zu danken wissen! Einen größeren Gefallen als heute hätte er mir nicht erweisen können!«
»Du redest wie eine Irrsinnige!«
»Ich rede wie eine, die bis jetzt im Traum gelebt hat und plötzlich erwacht! So ist's! Denn jetzt sehe ich klar, wo ich war und wo ich nicht mehr sein will! Und ich freue mich, endlich frei zu sein! Dies ganze abscheuliche Leben, zu dem ihr — du und er — mich gezwungen habt, widert mich an! Ekel ist alles, was ich dabei empfunden habe! — Ekel vor mir selbst — Ekel vor einer Welt, die ihre Gunst nur um den Preis der Selbstschändung verkauft! Das soll jetzt aber ein Ende haben! Das mache ich nicht mehr mit!«
»Was willst du denn tun? — Wovon gedenkst du zu leben?«
»Von meiner künstlerischen Leistung! Die soll man mir bezahlen — meine Person aber fortan in Ruhe lassen! Ich kann das verlangen!«
»Dann kennst du die Welt nicht!«
»Dafür weiß ich mit mir Bescheid. Und auch, daß ich niemals den Gipfel der Kunst erklimmen werde — niemals das Göttliche erreichen, was mir im Augenblick des künstlerischen Rausches vorschwebt, wenn ich noch an äußeren Erfolg und Schätzesammeln denke! Niemals werde ich das Gefühl der Erdenschwere los, das mich auch in den Augenblicken der höchsten Wonne herabzieht — wenn ich nicht mit aller Macht gegen das Lotterleben ankämpfe, in das du — und jener Elende mich hineingezogen habt!«
Sie kehrte der alten Frau den Rücken, setzte sich an den Schreibtisch, warf rasch ein paar Zeilen auf einen Briefbogen hin, faltete ihn zusammen, schrieb die Adresse, klingelte und reichte ihn der Zofe.
»An Mylord Arundel!« sagte sie. »Sofort durch Boten hinsenden! Und — daß du's dir merkst —, künftig bin ich für niemand zu Hause! Der Marquis von Thibouville, der Prinz von Gobriant, der Herzog von Durfort — alle ohne Ausnahme werden sie fortgeschickt! Und du auch, auf der Stelle, falls du dich unterstehst, auch nur einen einzigen zu melden, unter welchem Vorwand es auch sein mag! — Halt!« rief sie der Zofe zu, die sich eben entfernen wollte. — »Geh noch zur Oper, melde mich krank! — Sterbenskrank, verstehst du? — Ich tanze heute nicht und morgen auch nicht! Auch kannst du ein Wort fallen lassen, daß ich, sobald ich meine Kräfte wiedergewonnen habe, Paris verlasse und nach London gehe!«