Der Hofmeister, der ihnen auf der Treppe zur ersten Etage entgegenkam, zeigte dem vornehmen Besuch unter vielen devoten Verbeugungen den Weg und führte die Herren in die Bildergalerie, wo sie der Hausherr, der sehr ehrenwerte Sir Josuah Crichton, Großreeder und Mitglied des Hauses der Gemeinen, erwartete. Er empfing sie freundlich, aber würdevoll, und stellte ihnen seine Tochter vor — eine kleine, hübsche Blondine mit dem üblichen, süßlich nichtssagenden Gesicht.
Die gebräuchlichen Phrasen über Wind und Wetter wurden gewechselt. Auch erkundigte man sich, wie schicklich, nach dem derzeitigen Wohlbefinden. Dann zogen sich die alten Herren auf Anregung Sir Josuahs nach der Bibliothek zurück, um ihr »Geschäft« zu besprechen, und ließen die beiden jungen Leute allein!
Das Geschäft betraf eben das Lebensglück jener beiden Menschenkinder, die sich bis jetzt nicht gesehen hatten — die aber, wenn die Herren Väter einig wurden, ihre gegenseitigen Vorstellungen vom Lebensglück in Einklang zu bringen haben würden — ob's ihnen paßte oder nicht.
Zeit genug blieb ihnen dazu.
Denn die beiden alten Herren hatten gewichtige ideelle und materielle Interessen gegeneinander abzuwägen. Sie waren beide darauf bedacht, das Tauschgeschäft möglichst vorteilhaft zu gestalten. Und da ist ein ehrlicher Kaufmann mit dem Anpreisen seiner Ware nicht im Handumdrehen fertig! Seine Herrlichkeit gab sich auch redlich den Anschein, möglichst wenig Interesse am Zustandekommen des Geschäfts zu nehmen.
Er schlug mit der Reitgerte den Staub von den Schößen seines goldgestickten, grünen Rocks, legte sie nebst Hut und Handschuhen auf den großen mit Büchern und Zeitschriften bedeckten Tisch, setzte sich gravitätisch in einen großen Sessel und blickte etwas zerstreut den vor ihm stehenden dicken Sir Josuah an, dessen kleine Äuglein ihm aus dem hochroten, wohlgenährten Gesicht schlau entgegenblinzelten, indes er sich vergnügt die Hände rieb.
»Sie finden mich hier, Sir Josuah«, begann Seine Lordschaft, »um die zwischen uns schwebende Angelegenheit ein letztes Mal zu besprechen und — so oder so — endgültig zu erledigen! — Zunächst möchte ich Ihnen eröffnen — —«
»Ich bin ganz Ohr!« rief Sir Josuah lebhaft, zog einen Sessel näher und setzte sich ebenso würdevoll zurecht. Aber beileibe nicht, um es Seiner Herrlichkeit gleichzutun, sondern nur, um seine weiß gepuderte Staatsperücke nicht gegen die Stuhllehne zu drücken. »Wenn Eure Herrlichkeit also die Gnade haben wollen —«
»Sie wissen, daß das Haus der Stuarts von alters her zu den Stützen der Torys gehört?! — Mein Vater trat aus Überzeugung der Partei der Whigs bei, was unserem Zweig des Hauses den Unwillen der ganzen übrigen Verwandtschaft zuzog. Wir haben einiges darunter zu leiden gehabt! Wir lassen uns aber nicht von unserer Überzeugung abbringen! Man hofft es allerdings — man gedenkt meinen Sohn wieder ins Torylager hinüberzuziehen! — Denn wenn der ältere Zweig ausstirbt, was sehr bald zu erwarten ist, dann ist mein Sohn der Erbe des riesenhaften Vermögens. Und das möchte die Partei der Torys, der ja mein Vetter leider noch angehört, sich zunutze machen!