Eine Entführung also am hellichten Tage!

Er lief hinzu, so schnell er konnte, zog den Degen und schlug auf die Bösewichter ein, die ihr Opfer sofort freiließen und, ohne sich zur Wehr zu setzen, eiligst an den Wagen liefen, den Pferden die Zügel gaben und in vollem Trab davonjagten.

Beß wandte sich der Überfallenen zu, die noch keuchend vor Aufregung dastand.

Es war ein reich gekleidetes, etwas fremdländisch anmutendes junges Mädchen von hohem, schlankem Wuchs. Mit der Leichtigkeit einer Sylphide, und mehr schwebend als gehend, kam sie auf ihn zu und reichte ihm die Hand.

»Mein Herr, wie soll ich Ihnen nur danken können«, sagte sie in gebrochenem Französisch, mit einer Stimme, in deren sonorem, etwas verschleiertem Klang der überstandene Schrecken noch nachzitterte. — — »Sie haben mir das Leben gerettet!«

Er stand da, stumm, ohne etwas sagen zu können, und hielt die kleine Hand fest, deren kaum fühlbarer Druck ihn wie ein elektrischer Schlag durchzitterte. Er blickte in ein Paar schwarze, wundervolle Augen, deren Glanz noch von den Tränen erhöht wurde, er sah ein jugendliches Gesicht, frisch wie ein Pfirsich, sah die roten, schön geschwungenen Lippen bezaubernd lächeln und schloß die Augen, um nicht der Versuchung nachgeben zu müssen, sie sofort zu küssen! — Was sie ihm sagte, hatte er nicht gehört, nur den Klang ihrer Stimme vernommen, der noch wie liebliche nie zuvor gehörte Musik in ihm nachzitterte und ihn in süße Aufregung versetzte.

So stark war der Eindruck, daß er, von einem plötzlichen Schwindel gefaßt, wankte und sich an einen Baum stützen mußte.

»Mein Gott! — Fallen Sie nur nicht in Ohnmacht!« lachte die silberhelle Stimme wieder. »Man könnte ja denken, nicht Sie hätten mich, sondern ich Sie gerettet!«

»Das haben Sie auch!« rief Beß mechanisch und wiederholte mechanisch wie im Traum: »Sie haben mich gerettet! — Sie haben mich gerettet! — — Gott sei Dank!«