Seine Herrlichkeit hatte denn auch die Gnade, ihr die Stirn zu küssen und sie als Tochter zu begrüßen, und zwar ohne sie um ihre Meinung zu befragen. Er übergab ihr einen prachtvollen Schmuck, den er bereits mitgebracht hatte, und legte dann ihre Hand in die seines Sohnes, der sie gehorsamst annahm und sie formell küßte.
Nachdem Lord Stuart die ganze Familie Crichton auf den heutigen Abend zum Diner geladen hatte, verabschiedete er sich, nahm den frischgebackenen Bräutigam mit, schritt würdevoll, wie er gekommen, die Treppe hinab, bestieg sein Pferd und ritt denselben Weg zurück.
Unterwegs regte sich im Busen des jungen Lords so etwas wie eine Empfindung, daß auch er ein Mensch für sich sei! — Im Hydepark angelangt, beurlaubte er sich plötzlich von seinem gestrengen Herrn Vater, dem er glaubte für heute genügend Gehorsam gezeigt zu haben! — Er wollte sich noch in den Alleen des Parks ergehen und erst später nach Hause kommen.
Der Groom nahm sein Pferd am Zügel und folgte dem alten Herrn nach dem Palais. Und Lord Beß war endlich allein mit seinen Gedanken.
Er schlenderte durch den Park, ohne Ziel, sah zerstreut dem bunten Treiben zu und bog dann, ermüdet von dem Trubel, in einen entlegeneren Weg ein.
Die Bäume gaben hier mehr Schatten und gestatteten keinen weiteren Ausblick. — Die Wege schlängelten sich zwischen dichtem Gebüsch hin. Die Großstadt war hier kaum zu hören. Weit und breit war kein Mensch zu sehen.
Beß dachte nicht mehr an das soeben Erlebte. Er war froh, für einen Augenblick dem Zwang entschlüpft zu sein, in dem sein gestrenger Herr Vater ihn bis jetzt unnachsichtlich gehalten hatte.
Das heutige Ereignis hatte für ihn keine andere Bedeutung, als daß er die Fesseln der väterlichen Beaufsichtigung mit denen der Ehe vertauschen sollte! — — Ein notwendiges Übel nur war's, das eine wie das andere, und keines Gedankens wert! Für den Augenblick fühlte er sich frei wie ein Schuljunge, der sein tägliches Pensum absolviert hatte! Und das war ihm die Hauptsache!
Er trieb sich ohne Ziel herum und war eben im Begriff, den Weg nach Hause einzuschlagen, als er plötzlich laute Hilferufe hörte. — Schnell lief er nach der Richtung, aus der die Rufe kamen, und sah auf einem Seitenweg eine junge Dame, die von zwei Männern fortgeschleppt wurde. In der Nähe hielt ein verschlossener Wagen.