Was die würdigen alten Herren miteinander zu besprechen hatten, wußten sie beide — auch, daß sich daraus aller Wahrscheinlichkeit nach eine Ehe zwischen ihnen ergeben würde! — Daß das eine Sache war, die mit der Liebe nichts zu tun hatte, wußten sie gleichfalls!
Dem jungen Lord war die Liebe nur eine modische Redensart, die ihm noch nicht geläufig geworden war, und deren vergnügliche Seite er kaum erst par renommée kannte! — Insofern war er eine Merkwürdigkeit seiner Zeit — streng gehalten und noch jung an Jahren.
Sie war da weit gewitzigter! — Ihr war das Eheproblem bereits bis zu der Frage vorgeschritten: — ob ihr zukünftiger Herr und Gebieter ihr die Freiheit verstatten würde, auch als seine Gattin den ländlichen Neigungen ihres Herzens zu folgen oder nicht? — Eine Frage allerdings, die vor der Trauung weder gestellt noch beantwortet werden konnte — deren Lösung sie aber der ruhigen und höflichen, fast bescheidenen Art des jungen Lords in für sich günstigem Sinne ohne weiteres entnehmen zu können glaubte. Sie gedachte der Küsse ihres geheimen Verehrers und ihres Treuschwurs, nur ihn zu lieben — war aber im übrigen bereit, sich als gehorsame Tochter dem väterlichen Entschluß zu fügen! — — In diesem Sinne verstattete sie sich sogar eine gewisse Annäherung, führte ihren Zukünftigen aus der Galerie in den Palmengarten, zeigte ihm ihre Papageien und Affen, lud ihn ein, auf ihrer Lieblingsbank Platz zu nehmen und sang ihm da, zur Laute, das alte Lied »Robin Adair« vor — sang es mit viel Empfindung, und dachte dabei wehmütig an das bitterböse Schicksal, das nicht jenem jungen Landedelmanne beschert hatte, ein Lord zu sein — den sie auch heiraten durfte!
»Treu und herzinniglich,
Robin Adair,
Tausendmal grüß ich dich,
Robin Adair,
Hab' ich doch manche Nacht
Schlummerlos zugebracht,
Immer an dich gedacht,
Robin Adair!
Mancher wohl warb um mich,
Robin Adair,
Treu aber liebt ich dich,
Robin Adair,
Mögen sie andre frein,
Will ja nur dir allein
Leben und Liebe weihn,
Robin Adair!«
So sang sie, und der junge Lord wurde dabei von einer ihm nicht recht erwünschten Empfindung beschlichen.
Sie hatte ja eine ganz hübsche Stimme und sang mit viel Gefühl! — Ihre Augen wurden dabei feucht — ihre Wangen glühten! — Als wohlerzogener Mensch konnte er nicht umhin, das Lied auf sich zu beziehen! — Er überlegte sich's schon in allem Ernst, ob er es nicht seinerseits auch zu einer Annäherung kommen lassen müßte?! — Ein Handkuß schien ihm schon unumgänglich! — Da, zum Glück, erschienen die beiden Väter, die inzwischen einig geworden waren, und machten seiner Verlegenheit ein Ende.
Das Lied — das anscheinend intime Zusammensitzen der beiden — alles schien den alten Herren für eine glatte Abwickelung des Geschäfts zu bürgen!
Schmunzelnd trat Sir Josuah auf seine Tochter zu, teilte ihr in aller Form mit, daß Seine Herrlichkeit ihm die große Ehre erwiesen hätte, um ihre Hand für seinen Sohn zu bitten, sowie, daß er seine Zustimmung bereits gegeben hätte.