»Sie, Mylord, Sie waren es, der jenen Schurkenstreich gegen sie plante?« rief Stuart — »jene Entführung, die ich noch rechtzeitig vereiteln konnte!«

»Ich war so frei«, sagte Albermale ruhig. »Aber auch ohne daß Sie sich jetzt als unerbetener Retter zu erkennen gegeben hätten, würde ich es nicht verabsäumen, von Ihnen volle Genugtuung für Ihre mich in meiner Ehre verletzenden Worte zu verlangen! Ich empfinde aber die Verpflichtung, Sie erst durch Tatsachen zu überzeugen! Ich will also sofort den Beweis für die Wahrheit meiner Behauptungen führen!«

»Das wird Ihnen niemals gelingen!« rief Stuart heftig.

»Im äußersten Falle wird meine Degenspitze für das Gelingen zu sorgen haben!« erwiderte Albermale ruhig. »Ich hoffe aber zuversichtlich, der Mühe überhoben zu werden, einen jungen Edelmann, den ich sonst schätze und achte, in solch empfindlicher Weise für einige unbesonnene Worte zu züchtigen! Als Mann von Ehre werden Sie sich nicht versagen können, die von mir gebotenen Beweise entgegenzunehmen und mir dann volle Genugtuung zu geben!«

»Sie können überzeugt sein, daß ich Ihnen jede Genugtuung geben werde, die Sie zu verlangen haben, soweit sie sich mit den Gesetzen der Ehre verträgt! — Es wird Ihnen aber nie und nimmer gelingen, mich zu überzeugen!«

»Folgen Sie mir nur, und Sie werden eines anderen belehrt werden! In Whites Schokoladenhaus wird zur Zeit von einem früheren Tänzer, Fossano, Bank gehalten! Er weiß genau Bescheid über sie! Gehen wir zu ihm!«

»Gehen wir!« — riefen die anderen, denen die Abwechselung willkommen war. Und Stuart folgte, obwohl mit Widerwillen. Denn auf das Zeugnis derartiger Leute war seiner Ansicht nach nicht viel zu geben!

In Whites Schokoladenhaus trafen sie mit Spielern aus allen Gesellschaftsschichten zusammen. Der Hochadel war zahlreich vertreten. Söhne reichgewordener Kaufleute, die Beziehungen nach oben anknüpfen wollten, suchten auf dem Nahweg durchs Spielhaus etwas rascher einige Sprossen der gesellschaftlichen Leiter zu überspringen. Glücksritter aller Nationalitäten, Spieler ex professo, machten sich die Gelegenheit zunutze, den alten gefestigten Feudalbesitz zur Ader zu lassen. Und die galanten Damen fehlten selbstverständlich auch nicht. Es wurde viel und gut gegessen und getrunken — das Eintrittsgeld war auch danach bemessen. In einem größeren, dafür reservierten Saale hatte der ehemalige Tänzer und jetzige Bankhalter seine Spieltische aufgestellt.

Lord Albermale gelang es nach einigem Warten, mit seinen Freunden an den Tisch heranzukommen, wo Fossano selbst Bank hielt. Sie stellten sich ihm vor, nahmen Karten, und das Spiel begann.

»Auf Barberina!« rief Albermale übermütig und warf eine Handvoll Goldstücke auf Pik-Dame.