»Sagt mir's geradeheraus, was Ihr wißt!«

Fossano lächelte. Es machte ihm Vergnügen, sie zu quälen, und so zeigte er gar keine Eile, ihre Neugier zu befriedigen.

»Daß Ihr getäuscht wurdet, wundert mich nicht!« sagte er. »Ein ganzes Jahr in London, ohne daß Fama das geringste über ihr Leben zu berichten wüßte! Das war gut gemacht! Und wie geschickt sie ihre Tugend in Szene zu setzen wußte! Mit welchem Eklat! Kaum hier angelangt, hat sie Gelegenheit, sich beim Feste des Prinzen von Wales einzuführen! Alle Welt war gespannt, sie im »Urteil des Paris« zu sehen — alles wußte von der bekannten Vorstellung in Fontainebleau! Jener famose Schönheitsfleck war auch hier schon zu einer gewissen Berühmtheit gelangt! Seine Königliche Hoheit selbst war äußerst gespannt — die Pantomime stand auf dem Programm des Abends — — und sie weigert sich, nackt zu tanzen! — Sie versteift sich darauf, nur ihre italienischen Bauerntänze vorzuführen! Alles war schokiert! Ganz London sprach monatelang von nichts anderem als von ihrer Kühnheit, einen Wunsch von so hoher Stelle zu ignorieren! Ihr Ruf war gemacht — aber ihre Karriere bei Hofe war hin! Auch hier! Und Ihr weintet! Leugnet es nicht! Blutige Tränen habt Ihr geweint! Obwohl der Prinz von Wales so gnädig war, sie nur durch ein kostbares Geschenk dafür zu bestrafen, weil sie das nicht zeigen wollte, wodurch sie den allerchristlichsten König in solche Aufregung versetzt hatte!«

»Wir können den Hof von England entbehren!« sagte die Mama und setzte die Nase hoch.

»Saure Trauben! Das kennen wir! Euch wäre der Hof von England schon recht! Obwohl ich nicht leugnen will, daß man hier in England Künstlerinnen ihres Ranges so gut bezahlt, daß sie königliche Gnadengeschenke entbehren können!«

»Ihr erkennt also ihre große Künstlerschaft doch an!«

»Ohne weiteres! Sie hat gut an sich gearbeitet! Sie ist eine große Künstlerin geworden! Ihre Leistungen sind über jede Kritik erhaben! Aber es war stets etwas in ihrem Tanze, wovon sie heimlich getrieben wurde! Ich habe sie genau beobachtet! Sie schien mir jemand zuliebe zu tanzen, dessen Bild sie insgeheim im Herzen trug! Das gab ihr die Schwungkraft, das gab ihr den Sieg! Ohne das kann sie nun ein für allemal nichts! Das weiß ich! Auf die Art habe ich sie doch abgerichtet!

Wer dieser Jemand wäre, gelang mir bis jetzt nicht zu ermitteln! Seit gestern aber weiß ich's! Weiß aber auch, daß sie Gefahr läuft, ihn zu verlieren! Und da ist es auch um ihre Kunst geschehen! Um das zu verhüten, bin ich eben hergekommen — —«

Er schwieg. Denn vor ihm stand Barberina, die im Nebenzimmer seine letzten Worte gehört hatte und nun hereinkam.

»Ich glaube schon«, rief sie, »daß Ihr hinter mir her seid, um Nachteiliges zu erkunden und weiterzuverbreiten! Wenn Ihr aber glaubt, irgendwelche geheimen Beziehungen aufgespürt zu haben, die mich fesseln würden, so seid Ihr im Irrtum!«