Die Tränen kamen ihr wieder in die Augen.
Er wurde plötzlich ernst. Er hatte sich das Vergnügen gemacht, sie aus der einen Stimmung in die andere zu hetzen! In jeder Empfindung hatte sie pariert, alles war echt und von ungesuchtester Natürlichkeit! Er durfte es aber nicht zu weit treiben, sonst würde er die Führung verlieren — sonst würde sie ihm aus den Händen gleiten! Und er wollte sie einfangen — er brauchte sie, denn sie war, was er suchte!
»Verzeih mir!« sagte er, und seine Stimme nahm eine warme Färbung an, »ich wollte dir nicht weh tun! Ich bin nicht gewohnt, alles so ernst zu nehmen und zu meinen! Mir lacht eben das Leben; daher kommt's, daß ich über alles lache! Mehr ist's auch nicht wert! Und ich möchte es dir auch beibringen! Du hast das Tanzen im Blute, da gehe ich nicht fehl! Ich mach es dir frei! Ich bringe dir das Tanzen bei — du wirst bei mir Unterricht haben!«
Sie sah ihn groß an, als erzähle er ihr ein Märchen.
»Sechzehn Jahre bist du schon?«
»Bald siebzehn!«
»Höchste Zeit denn, wenn aus dir noch was werden soll! Komm also mit deiner Mutter heute ins Theater. Nachher wirst du mir sagen, wie es dir gefallen hat! Und das Weitere wird sich finden!«
Sie war außer sich vor Freude. Ihr Traum, ihr Traum sollte Wirklichkeit werden! Sie wagte es kaum zu glauben, sie wußte auch nichts zu sagen; von Glück überwältigt blickte sie ihn an, Tränen der Dankbarkeit in den Augen; sie beugte sich rasch, ergriff seine Hand und küßte sie. Errötete dann über ihre Dreistigkeit und floh davon wie der Wind.
»Babara!« rief er. Aber sie hörte ihn nicht.
»Ich hätte mitgehen sollen. Ich hätte wenigstens fragen sollen, wo sie wohnt!«