Er fürchtete, Psyche, die er so lange gesucht und endlich gefunden hatte, würde ihm wieder verlorengehen.
»Bah — sie wird schon ins Theater kommen«, dachte er dann achselzuckend. »Wenn sie die Richtige ist, wird es sie treiben — dann wird sie's nicht lassen können! Und sie ist die Richtige! Mein Auge betrügt mich nicht!«
2
Er hatte recht — und unrecht zugleich.
Die Begegnung in der Kirche hatte sie erschreckt, ihr Innerstes aufgewühlt und in eine noch nie empfundene Unruhe versetzt. Sein Hohn hatte sie empört, sein herzloses Lachen sie angewidert. Auch wenn er freundlich zu ihr sprach, war etwas Kaltes, Lauerndes in seinen Blicken, daß ihr angst und bange wurde, die freundlichen Worte würden im nächsten Augenblick schneidendem Hohn Platz machen. Und dem wollte sie sich nicht aussetzen.
Die Empörung trieb ihr das Blut ins Gesicht, als sie an seine herzlosen Worte an die arme Straßentänzerin dachte. Wenn er ihr jemals so kommen würde, sie würde ihm das Messer ins Herz stoßen!
Für ihr Leben gern wollte sie ins Theater! Sie hatte eine brennende Lust, einmal ein richtiges Ballett zu sehen! Aber nachher müßte sie ja zu ihm; und wer weiß, wie er zu ihr sprechen würde? Also lieber nicht!
Sie erzählte wohl der Mutter getreulich von der Begegnung mit ihm, tat nicht wenig stolz über ihre Unterhaltung mit dem berühmten Tänzer, über sein offenbares Interesse für sie: wie er ihr nachgegangen wäre, und wie wenig sie sich daraus machte! Aber sie erwähnte mit keinem Wort sein Anerbieten, auch nicht die Einladung, ins Theater zu gehen.