Sie war also nicht zu früh gekommen! — Wer weiß, vielleicht schon zu spät?!

Sie eilte um das Haus herum.

Auf dem offenen, nach allen Seiten von hohen Bäumen umschlossenen Rasen sah sie im Sonnenscheine zwei jugendliche Gestalten ohne Röcke und Hüte, die mit leichten Degen nach allen Regeln der Kunst gegeneinander fochten. Ein Sekundant stand mit dem Degen bereit, den Kampf abzubrechen — ein anderer, die Uhr in der Hand, zählte die Minuten. Ein Waffengang wurde eben beendigt. Aus dem Hemdärmel des einen Kämpfers tröpfelte Blut!

»Macht nichts!« rief er und grüßte den Gegner mit dem Degen. »Bis zur Kampfunfähigkeit, Mylord — so lautete die Bedingung! Ich bin noch lange nicht fertig!«

»Wie Sie wollen«, sagte Lord Albermale ruhig. »Ich dachte aber, der Denkzettel genüge! Sie sind auch nicht ruhig genug, mein Lieber! Sie machen es mir gar zu leicht! Aber wie Sie wollen!«

Er stellte sich in Positur, der Sekundant hob seinen Degen, der Kampf begann wieder.

Barberina, die von der Mauerecke aus den Vorgang beobachtet hatte, lief jetzt kurz entschlossen hinzu. — Ohne die Gefahr zu bedenken, lief sie in die gekreuzten Degen hinein, faßte die Klingen mit beiden Händen und bog sie auseinander.

Die beiden Gegner ließen in der Überraschung die Griffe los, und Barberina blieb so zwischen ihnen stehen, die Degen in den Händen.

»Entwaffnet!« rief sie übermütig lachend.

»Sie, Mademoiselle?!« rief Albermale. »Mein Kompliment! — Der Coup war ausgezeichnet! — Welchem glücklichen Zufall verdanken wir diese angenehme Überraschung?«