»Sie fürchten sich hoffentlich nicht?«

»Mein Alter stellt mich leider außerhalb des Wettbewerbs«, lächelte er, küßte ihr dabei aber so galant die Hand, daß es den guten Beß kalt überlief. »Wenn ich noch jung wäre und eine schöne Dame liebte, die derartige Absichten hegte, würde ich jedenfalls alles tun, um sie zu bekehren! Denn wir Stuarts bleiben unweigerlich dabei, auch in Liebessachen die glorreichen Traditionen unseres Hauses aufrechtzuerhalten!«

»Mit mir hätten Sie da kein Glück! Wenn ich jemand mein Herz schenke, muß er meinetwegen ganz den Kopf verlieren! Meinetwegen muß er von allem fortgehen, nur um mit mir zu leben und irgendwo glücklich zu sein, wo die Sonne scheint und wo's weder englische Nebel noch hochvornehme Urteile gibt! Seinetwegen gäbe ich denn auch gern alles auf! Und, Mylord, wenn ich mir vornehme, jemand so den Kopf zu verdrehen, dann führe ich es auch sicherlich durch! — — Ich darf aber Ihre Güte nicht länger in Anspruch nehmen! — Es war sowieso eine Dreistigkeit von mir, ohne weiteres herzukommen! Ich war aber neugierig! Ihr Herr Sohn hatte mir so viel von seiner Mutter erzählt, daß ich begierig wurde, ihr Bildnis zu sehen! — Ich danke Ihnen für Ihre gütige Nachsicht! — Und nun gestatten Sie wohl —?«

Sie legte ihren Arm in seinen und ließ sich zu den beiden anderen Herren zurückführen.

»Sie werden wohl die Güte haben, mir den Weg zu zeigen?« sagte sie zu Beß, der auch sofort bereit war. Aber sein Vater kam ihm zuvor.

»Es sind für dich Befehle deines Regiments da, die keinen Aufschub erleiden! Deine Anwesenheit in deiner Garnison scheint erwünscht zu sein! Du wirst wohl morgen früh abreisen müssen! — Gestatten Sie, Mademoiselle, daß ich Sie selbst zu Ihrem Wagen geleite?«

Er bot ihr galant den Arm. Und Barberina, ohne mit einer Miene zu zeigen, wie sehr sie von der bevorstehenden Abreise ihres Geliebten betroffen war, nahm lächelnd Abschied und folgte dem alten Herrn, immer noch lustig lachend und plaudernd.

Beß stand da und vermochte kein Wort hervorzubringen.

»Hoffentlich hast du gutes Reisewetter, mein Sohn!« sagte Sir Josuah in seinem freundlichsten Ton.

»Ich lasse mich nicht fortschicken!« rief Beß heftig. »Ich bin kein Kind mehr! Ich nehme meinen Abschied! Aber ich gehe nicht von London fort! Am allerwenigsten jetzt!«