»Der blinde Glaube mag gut sein — für Subalterne«, sagte Friedrich. »Eine gewisse Nützlichkeit ist ihm da nicht abzusprechen! Wer aber zum Führer berufen ist, darf nicht auf die eigene Überzeugung verzichten! Ich glaube, was ich greifen und begreifen kann, und lasse mir ohne vollgültige Beweise nichts weismachen!«

Er wandte sich galant an seine Nachbarin.

»Ich glaube zum Beispiel fest an die unvergleichliche Kunst unserer charmanten Barberina und bin durch ihre Leistungen von ihrem Genie überzeugt! Ich werde aber trotzdem nicht darauf verzichten, sie erst als Galathée zu sehen, ehe ich die Überzeugung ausspreche, daß sie in der Rolle so außerordentlich sein wird — wie ich hoffe!«

Barberina dankte mit einem Blick für das Kompliment. Die Tafelrunde geriet in Bewegung.

»Sire, da spricht wohl nur der Wunsch Eurer Majestät nach einem seltenen ästhetischen Genuß mit?« sagte Rothenburg.

»Mich überzeugten die Worte Eurer Majestät nur von allerhöchst Dero Galanterie!« sagte Jordan ruhig und freimütig wie immer. »Majestät werden noch dazu kommen, vor Dero Victorien sich die Karten legen zu lassen! Denn Aberglauben ist's, und kein Glaube, der sich erst überzeugen lassen muß!«

»Wärest du Pastor geblieben, Jordan, so würde ich vielleicht auf dein Urteil in Glaubenssachen etwas geben — wenn's gilt, über Aberglauben zu reden! So gebe ich mehr auf das Feuer der schönen Augen unserer charmanten Barberina! Das wäre schon imstande, mich gläubig zu machen, wenn ich nicht fest in dem Aberglauben wäre, mich erst durch ihre Leistung überzeugen zu lassen!«

»Wovon wollen Eure Majestät noch überzeugt werden — wenn meine Kunst schon das Glück hatte, heute die allerhöchste Anerkennung zu erringen?« fragte Barberina.

»Von Ihrer Fähigkeit, das männlichste aller Probleme — im Leben wie in der Kunst — zu erfassen und zu lösen! Denn das stellt meines Erachtens der Pygmalionmythos dar! Ich will sehen, ob Ihr Wille nachgiebig genug sein kann, ohne seine Elastizität zu verlieren! Ich will wissen, ob Ihr weiblicher Instinkt Schwungkraft genug hat — ob er mitkann — oder zurückbleibt, wie bei den andern! Wird die Statue aus Stein im Morgenrot einer männlichen Tat zu vollem, hingebendem Leben aufflammen?«

»Sire — das hängt von der Sonne ab! Man kann in ihrem Glanz erfrieren — man kann auch von ihren Strahlen versengt werden, ehe man sich seines Lebens recht bewußt wird! Ich fürchte fast, ich werde versagen!«