»Ich schätze es, daß du dich auf deinem Platze hältst. Aber — wir kennen uns zu lange — der Anteil, den du früher an meinem Leben genommen hattest, war zu einschneidend, als daß ich an eine gänzliche Teilnahmslosigkeit denken könnte!«

»Der Anteil, den ich an Dero Leben zu nehmen die Ehre hatte, gehört der Erinnerung an und ist längst von dickem Staub bedeckt, so daß ich ihn nicht mehr ohne weiteres zu sehen vermag. Es wird Madame nicht anders gehen! Ein >Interesse< habe ich nur noch für meinen Dienst! Und zu meinem Dienst gehört es nicht, mich mit dem Abstauben der Nippes und Bijouterien aus Dero Vergangenheit zu befassen! — Wenn aber Madame es mir ausdrücklich befehlen, weigere ich mich nicht, behilflich zu sein, sie aus den Behältern von Dero Gedächtnis hervorsuchen zu helfen, wenn es auch Madame keine besondere Freude bereiten dürfte!«

»Du bist frech!« sagte Barberina gereizt. »Du nimmst dir einen Ton heraus, der deutlich zeigt, daß ich auch für dich von heute ab weiter nichts bin als die ehemalige Tänzerin Barberina!«

»Von heute erst?! Pardon, wenn ich da zu widersprechen wage! Das sind Madame von dem Augenblick an gewesen, als Madame den Geheimen Rat und jetzigen Regierungspräsidenten von Cocceji ehelichten! Da hörte die Barberina auf zu sein! Da war die Laufbahn ihres Gestirns unter den Horizont gesunken! Jetzt könnte es wieder emporsteigen!«

»Du meinst, daß ich jetzt noch die unterbrochene Laufbahn fortsetzen könnte? Du siehst das Silber, das sich schon in meine Haare schleicht, siehst, daß auch die Jugend längst eine Erinnerung ist — und redest noch von einem neuen Aufstieg meines Gestirns? Du nimmst dir heraus, mich zum besten zu halten!«

»Durchaus nicht! Ich bin so frei, der Ansicht zu sein, daß der Aufstieg zu dem glanzvollen Abschluß eines einzig dastehenden Schicksals jetzt zu beginnen hätte!«

»Wie meinst du das?«

Er schüttelte den Kopf.

»Meines Amtes ist es nicht, Schicksalsfragen zu enträtseln! Wenn Madame mir aber befehlen, das, was war, wieder ins rechte Licht zu rücken, damit Madame selbst sehen können, dann wollen Madame nur auf den betreffenden Gegenstand des hohen Erinnerns deuten! Und wenn ihn der Staub der Zeit zu dicht bedecken sollte, ich helfe gern, ihn zu entfernen!«