»Ich hatte den gnädigsten Befehl! Keinesfalls wollte ich die Rolle meiner Wenigkeit dabei in Erinnerung bringen!«

»Du hättest allen Anlaß, das zu vermeiden; denn du bist schuld an dem, was sich damals zutrug!«

»Schuld an seinem Schicksal kann der Mensch nur selbst haben. Hätten Madame bei jener Gelegenheit die Geistesgegenwart bewahrt — wer weiß, wie es dann gekommen wäre —«

»Wie denn, meinst du?«

»Ich meine, daß bei der Gelegenheit Madame der Krone so nahe waren wie nie wieder in Dero Leben. Sie schwebte dicht über Ihrem Haupte, aber Madame sahen es nicht, Madame empfanden nicht, daß der König nichts sehnlicher suchte als die selbstlose Hingabe eines anderen Menschen an sein Wollen. Er wollte immer nur seine große Sache und glaubte damals noch der schöpferisch empfangenden Liebe eines gleichempfindenden Menschen zu bedürfen — er wünschte sie zu gewinnen und neigte sehr zu der Annahme, sie bei Madame finden zu können. Er ahnte die Möglichkeit, erkannte aber auch die Unmöglichkeit, als Madame bei der entscheidenden Probe ihrem persönlichen Temperament die Zügel ließen und alles andere darüber vergaßen. Ich sollte ihm helfen, Madame die Maske vom Gesicht zu reißen.«

»Ja, du warst stets bereit, mich bloßzustellen!«

»Wer das weiß und sich doch Blößen gibt, darf keinem als sich selber Vorwürfe machen! Ich hatte nicht die Macht, Zwang auszuüben, damals ebensowenig wie jetzt. Als aber die Maske fiel und das wahre Gesicht unverhült zur Schau trat — aber in leidenschaftlichster Aufwallung verzerrt —, da sah jener suchende Blick aus der königlichen Loge wohl, daß das, was er suchte, wirklich da, wo er's ahnte, zu finden gewesen wäre — wäre es nicht bereits verlorengegangen!«

»Durch wen?« fragte Barberina stechenden Blickes.

»Madame verzeihen, wenn ich mit einer Gegenfrage antworte. Wer bahnte Ihnen den Weg, wer führte Sie zu jenen Höhen, wo es die Gelegenheit gab, Großes zu leisten?«

»Wer verführte mich auf Abwege, solltest du lieber fragen!«