»Führen und verführen sind kaum auseinander zu halten! Es kommt darauf an, der Führung zu folgen und der Verführung zu widerstehn! Danach gestaltet sich der Weg des Lebens! — Madame ließen in jenem höchsten Moment von Dero Laufbahn sich wiederum zu sehr gehen, und das entschied! Das Spiel um die Krone war verloren! Was dann folgte, war ein eigenwilliges Einsargen des eigenen Lebens — ein jahrzehntelanges Modern bei lebendigem Leibe im Grabe der Ehe. Jetzt hat sich das Grab aufgetan. Madame sind wieder draußen.«
»Und was da draußen Wert hatte, ist tot! Wozu uns darüber aufhalten? Laß uns weitergehen!«
»Wohin befehlen Madame?«
»Finde du den Weg!«
»Immer noch?« sagte Fossano kopfschüttelnd. »Das Ziel soll sich der Mensch selbst stecken. Madame ließen sich aber stets vom Zufall überraschen und von anderen führen!«
»Von anderen als von dir, meinst du wohl? Denn du wolltest stets die treibende Kraft sein und merktest nicht, daß du selbst dabei getrieben wurdest! Am meisten da, wo du glaubtest, am mächtigsten in mein Leben eingreifen zu können — in Paris! Leider aber gehen einem immer erst die Augen auf, wenn's zu spät ist.«
»Das ist der Lauf der Welt. Das schönste Porzellan bekommt bei unachtsamer Handhabung Sprünge! Man merkt's nicht gleich; man stellt es aus der Hand! Nachher, beim Abstauben, kommt der Schaden an den Tag, und man sieht, wie schön es hätte sein können — wenn es nicht kaputt gegangen wäre! — Paris hätte märchenhaft schön sein können! Madame hätten dort im Reiche der Grazie und der Schönheit aus dem vollen schöpfen können — Madame hätten geherrscht — —«
»Ohne >selbstlose Hingabe an das Wollen< eines Herrschers?«
»So war's! Madame hätten die Allgewalt gehabt — wenn sich Madame nicht voreilig meiner Führung entzogen hätten, um sich Leuten anzuvertrauen, deren Übereifer alles verdarb. Das gab dem Ganzen, das sich so märchenhaft zu gestalten begann, gleich zu Anfang einen Riß! Die Geschichte bekam einen Schönheitsflecken — die Krone Frankreichs glitt in andere Hände, die gierig danach griffen!
Und so war's bei jedem Königreich, das sich Madame auftat! Die Gelegenheit war stets da und war immer günstig — aber immer wurde sie verpaßt!«