»Die Standeserhöhung also?«
»Eben das! Belieben Madame vom Könige nichts zu erbitten als die Erhebung zur Gräfin und das Prädikat Exzellenz, und im übrigen seiner Gnade die Verfügung über das Vermögen zu irgendeinem Seiner Majestät genehmen wohltätigen Zweck anheimzustellen!«
Sie sann ein wenig nach.
»Ich werde mir den Vorschlag überlegen«, sagte sie dann. »Nun geh! Ich bedarf für heute deiner Dienste nicht mehr!«
Fossano verbeugte sich und ging.
Barberina nahm ein Blatt Papier aus dem Schubfach ihres Sekretärs und schrieb, ohne viel nachzudenken, folgenden Brief:
»Sire!
Eine arme, alte Fremde, die das Glück hat, Eure Untertanin geworden zu sein, wirft sich zu Euren Füßen, Euch anzuflehen, mir in der Verlassenheit, in die mein Gatte mich gestoßen, die Gnade zu erteilen, einen anderen Namen tragen zu dürfen als den, welchen ich bis jetzt hatte. Ich wage es sogar, so kühn zu sein, Eure Majestät zu bitten, mir den Rang einer Gräfin verleihen zu wollen.
Da ich keine Kinder habe und meinem Leben wohl nur noch wenige Tage beschieden sind, hoffe ich, daß Eure Majestät meine untertänigste Bitte erfüllen werden. Mein Mann hat auf mein ganzes Vermögen verzichtet, so daß ich darüber disponieren kann, wie es mir gefällt. Da ich aber keine Verwandten in Italien habe, ist es meine Absicht, ein Institut für die Armen Schlesiens zu gründen, und ich würde glücklich sein, wenn dieser Plan Eurer Majestät wohlgefallen würde.
Ich bin in tiefster Ergebenheit, Sire, Eurer Majestät sehr untertänige und gehorsame Dienerin
Barberina de Cocceji.
Barschau, 6. August 1789.«
Sie las das Schreiben durch und verschloß es in ihrem Portefeuille.
Am folgenden Tage versiegelte sie es und übergab es Fossano mit dem Befehl, für die sofortige Beförderung zu sorgen.