»Sie werden zu Kreuze kriechen, darin hast du recht. Sie werden nicht umhin können, einer Dame, in deren Obhut sie ihre Töchter geben, mit der gebührenden Auszeichnung zu behandeln!«

»Der Gedanke an das Schicksal ihrer Töchter wird ihnen dabei sicherlich nicht allzu lästig werden«, sagte Fossano.

»Meinst du?«

»Ich bin so frei. Wer die Führung seiner Kinder auf dem Pfade der Tugend und der guten Sitte fremden Händen anvertraut, denkt wohl an nicht viel mehr, als daß er selbst die Last und die Verantwortung los sein will. Um so größer ist die Verantwortung, die Madame auf sich nehmen!«

Sie sah ihn wieder scharf an. »Meinst du, ich wäre nicht imstande, diese Verantwortung zu tragen?«

»Oh«, beeilte er sich zu antworten, »vor dem Straucheln werden Madame die Fräulein besser als irgendeine bewahren können. Ich wüßte nicht, wo man ein größeres Sachverständnis in dem, worum es sich hier handelt, finden könnte!«

Sie biß sich auf die Lippen, antwortete aber nicht. Kühn geworden, fuhr Fossano fort:

»Die Herrschaften werden keinesfalls nach so schwerwiegenden Gründen suchen, um wieder der Gastfreundschaft von Madame genießen zu können. Sind sie nach der Scheidung ausgeblieben, so geschah es, weil die Schicklichkeit es gebot. Die passende Gelegenheit, zurückzukehren und zu tun, als wäre gar keine Trübung der guten Beziehungen eingetreten, haben Madame den Leuten gegeben. Sie werden auch neugierig sein. Sie werden auf das Vergnügen nicht verzichten wollen, die ehemalige Tänzerin in der klösterlichen Tracht einer Äbtissin bewundern zu dürfen. Die Tracht wird Madame übrigens vorzüglich stehen!«

»Meinst du?«

»Ich bin so frei! Nur die Farbe gefällt mir nicht recht. Das Aschgrau erinnert zu sehr an Buße. Und was für ein Grund zur Buße liegt denn darin, daß man gelebt hat? Seine Majestät der König, der dem Leben huldigt, kann doch unmöglich — —«