»Ich selbst habe die Farbe gewählt!« sagte sie kurz. »Lassen wir das! Ich mache dich mit dem Statut nicht bekannt, um deine Ansicht zu hören, sondern nur, damit du deine Obliegenheiten kennenlernst!«
»Madame hatten also die Gnade, meiner Wenigkeit einen Platz in Dero Heiligtum einzuräumen?« fragte er einigermaßen überrascht.
»Der dir gebührende Platz im Rahmen des Ganzen ist vorgesehen. Dessen sei gewiß. Du wirst es gleich sehen. Erst aber höre, was die Statuten im wesentlichen weiter bestimmen, damit du siehst, welche Aufgaben dir erwachsen. Jede, die in das Stift aufgenommen werden will, muß feierlich versprechen und angeloben, sowohl innerhalb als außerhalb des Stiftes ein tugendhaftes, regelmäßiges und anständiges Leben zu führen!« Fossano räusperte sich.
»Das werden sicherlich alle geloben und versprechen«, sagte er. »Aber, Hand aufs Herz — geben Madame wirklich etwas auf Versprechungen in solchen Dingen?«
Sie biß sich auf die Lippen — ihm schien es fast so, als wolle sie ein Lachen verbergen.
»Ich gebe ein Statut«, sagte sie dann kurz. »Und das Statut bestimmt sofortige Ausschließung eines jeden Fräuleins, das sein Versprechen durch ausschweifendes Leben verletzt.«
»Eine ganz überflüssige Bestimmung«, sagte Fossano. »Ich bin bald achtzig Jahre, ich habe viel vom Leben gesehen — noch niemals aber ist mir eine Dame vorgekommen, der man die Verletzung ihres Tugendgelübdes nachweisen konnte. Wir Männer waren immer galant genug, ihnen das zu besorgen und ihnen jede Schuld abzunehmen. Und wir leisten gewiß keinen Meineid, wenn wir darauf schwören, daß die holden Schönen am unschuldigsten sind — wenn sie's nicht mehr sind!«
Barberina verbiß sich wieder ein Lachen. Fossano sah es.
»Das ist das erste Gebot der Galanterie!« sagte er.
»Der Galanterie wird im Rahmen meiner Stiftung kein Spielraum gegeben«, sagte Barberina, »wir haben dem einen Riegel vorgeschoben!«