»Das habe ich nicht nötig. Ich habe Ersparnisse gemacht. Und — wenn ich noch in Dienst wollte — an Anerbietungen von sehr exzellenter Seite fehlt es mir nicht! Madame brauchen sich darüber keine Sorge zu machen!«
Er ging nach der Tür. Dort wandte er sich noch einmal um, und in seinen Augen leuchtete es teuflisch, als er ihr den letzten Hieb versetzte, mit dem er sich für all die Jahre der Schmach rächen wollte, in denen sie ihn mit Füßen getreten hatte.
»Pardon«, sagte er kurz und ganz von oben herab, »fast hatte ich vergessen — der Kammerdiener Seiner Exzellenz des Staatsministers Grafen Hoym schrieb mir gestern über die Antwort des Königs auf das Gesuch von Madame, Dero Gräfinnentitel das Prädikat >Exzellenz< hinzufügen zu dürfen!«
»Du brauchst dir keine Mühe zu machen — der Staatsminister hat mir selbst darüber geschrieben!«
»Der Staatsminister ist galant und hat es wohl verstanden, die bittere Pille zu überzuckern, wie ich aus seinem Briefe ersehen konnte, als ich den gnädigen Papierkorb leerte, wohin Madame ihn in Höchstdero Ärger geworfen hatten. — Der Bescheid des Königs war aber nicht so höflich!«
Sie starrte ihn mit offenen Augen an.
»Der König schrieb geradeheraus: >Ich bin nicht geneigt, ihr den Titel Exzellenz zuzugestehen, weil ich es ridicule finde, daß eine gewesene Theatertänzerin dieses Prädikat führe!< So schrieb der König. Und nun wissen Madame, daß die >gewesene Theatertänzerin< noch nicht ausgetanzt hat, trotz Gräfinnenprädikat, Tugendasyl und in frommen Stiftungen angelegtem Sündengeld. Ich tanze aber nicht mehr mit!«
»Wenn du denkst, daß ich es tue, irrst du dich!« rief Barberina zornig. »Ich werfe lieber alles hin! Wenn der König so undankbar ist, mache ich die ganze Schenkung wieder rückgängig!«
Fossano, der sich gar keine Mühe gab, seine Schadenfreude zu verbergen, sagte: »Ich glaube schon, daß Madame das möchten! Ich weiß aber auch, daß es zu spät ist. Was der Fiskus einmal hat, das behält er. Wovon wollten Madame leben? Jugend, Schönheit, Talent — das ganze vom Leben mitgebrachte Kapital ist verbraucht oder wird zum mindesten nichts mehr abwerfen. Den bisherigen Ertrag haben Madame unwiederbringlich auf dem Altar der Tugend geopfert! Madame sind eben auf Lebenszeit der Tugend verfallen und sitzen nun fest! Daran ist nichts zu ändern! Aber — das ist ja nicht so tragisch zu nehmen! Die Bequemlichkeit hat ja was für sich, wenn man über die Jahre der Aufregungen hinaus ist. Und — schließlich haben Madame sich ja so geschickt eine Hintertür offengelassen! Votre serviteur!«
Er verbeugte sich mit ausgesuchter Galanterie, machte kehrt und ging, hoch aufgerichtet, auf alterssteifen Beinen, aber mit der ganzen Grandezza des ehemaligen Tänzers, hinaus. Sie sah ihn nicht wieder.