Aber Signor Fossano war nicht nur ein Tänzer von Gottes Gnaden; er war auch ein Dichter, dessen Phantasie nach rhythmischen Orgien verlangte, in denen sich aber der menschliche Körper nur in den seltensten Fällen ergeht.

Von mit den raffiniertesten Kniffen des Kunsttanzes Vertrauten verlangte er noch Evolutionen, die sich mit Selbstverständlichkeit aus der inneren Empfindung heraus rein instinktiv und ohne Berechnung ergäben — Bewegungen ohne Dressur — , ein Spiel der Linien, das sich ganz unmittelbar aus der Phantasie des Tanzenden ins Körperliche übertrüge — ungewollt — fast improvisiert und so, weil natürlich und einfach, als Kunstdarbietung vollkommen.

Das läßt sich nicht erlernen! Das muß von vornherein da sein! Und bei keiner von allen den schönen Ballerinas hat er's bis jetzt gefunden!

»Hüpfen können sie wie die Grasmücken — schöne Drehungen — kunstvolle Pirouetten machen! Auf den Fußspitzen trippeln — himmelhoch springen — bezaubernd lächeln — glühende Blicke abfeuern — Kußhände in die Logen werfen! Küssen können sie auch!

Aber keine einzige, die es verstünde, bloß als lebend gewordener Drang zur Loslösung von der Erdenschwere da zu sein! — als Wille zum Schweben, wie wenn der Schmetterling, soeben aus der Raupe gekrochen, zum ersten Male im Sonnenschein die Flügel ausbreitet, aber noch nicht fliegt! Ein Stück Himmelsbewohner, der Erde entwachsen, aber noch auf Erden da — noch nicht abgeflogen! — Ein Versprechen, im nächsten Augenblick dahinzuschweben — die Hoffnung unserer Sehnsucht — die Gewißheit der baldigen Erhörung auf der Schwelle der Erfüllung!

Keine einzige, die das hat! Keine, die sich bloß zu zeigen braucht, um das zu geben — die, kaum, daß sie sich bewegt, die Seele des Zuschauers in Orgien des wiegenden Tanzes berauscht, welche der Körper nur ahnen lassen kann, die aber die Seele bewegen, wenn man bloß die Augen schließt!« Er ging sie alle in Gedanken durch — — die Cesi — die Bandolini — die Grassini — die Gandolfi und die viel zu vielen, deren Namen noch keine Namen waren!

Schöne Körper — üppige Formen — schlanke Biegsamkeit — Feuer — Verve — Tempo — virtuoses Können — Geist — Temperament — alles war da!

Nur das eine nicht, was seiner Phantasie vorschwebte, das unnennbare gewisse Etwas, was sie dazu prädestiniert hätte, Psyche darzustellen!

»Zum Teufel mit allem Können! Verflucht die ganze Kunst, wenn sie das nicht hergibt! Lieber die erste beste von der Straße, wenn sie bloß die Empfindung hat und sich treiben läßt — wenn sie bloß ahnt, was ich will, und von keiner virtuosen Verbildung verhindert wird, es auch so zu geben!«