Mißmutig trat er auf den Burghof der »Pilotta« hinaus, wie man den ewig unvollendeten Prachtbau der Farnese nannte, in dessen einen Flügel das riesige Theater eingebaut war. Wie ein Triumphator wurde Fossano von den jungen Parmesanerinnen empfangen. Ein Regen von Blumen überschüttete ihn. Wie ein Schwarm von Schmetterlingen, so flatterte es um ihn, in bunter Mannigfaltigkeit lichter Farben — glutrote Lippen lächelten verheißungsvoll und lachten in übermütigem Jauchzen — Tausende von Händen wetteiferten, einen Zipfel seines Mantels zu erhaschen — es war ein Schreien, ein Aufjauchzen jugendlicher Stimmen, ein Feuerwerk aus glühenden dunklen Augen, ein Drängen, ein Stoßen — wie immer, wenn er nach beendigter Probe oder Vorstellung das Theater verließ.
Keinen Scherz aber hatte er zum Dank bereit, kein munter hingeworfenes Wort — keinen Gruß auf die vielen »Evviva«-Rufe! Die Blumen ließ er liegen, trat sie achtlos mit den Füßen, bahnte sich brüsk seinen Weg durch die Menge — machte dann kehrt, blieb einen Augenblick stehen und musterte sie alle, der Reihe nach, scharf, durchdringend, kehrte ihnen dann achselzuckend den Rücken, drückte den Hut in die Stirn und ging weiter.
»Keine einzige!« murmelte er halblaut, »keine einzige!« und achtete nicht weiter auf die Schar jugendlicher Verehrerinnen, die ihm trotz seiner Gleichgültigkeit das Geleit gaben.
Da, als er in die Strada al duomo einbiegen wollte, glitt eine Gestalt an ihm vorüber, die sofort seine Blicke gefangennahm.
Da war sie! Das war's! — Ein Schweben — ein leichtes Hinschreiten — eine Rhythmik der Bewegung — eine Hoheit der Haltung — ungewollt und selbstverständlich — ein Königtum der Linien, so stolz und frei, daß es die ärmliche Kleidung adelte, die den mädchenhaften, kaum noch der Kindheit entwachsenen Körper umhüllte!
Er wollte ihr nach, kam aber nur langsam vorwärts im Gedränge — verlor sie aus den Augen, fluchte — brach sich mit Ungestüm Bahn, stürzte wie ein Wahnsinniger vorwärts auf die Piazza del duomo hinaus und kam gerade noch zur Zeit, sie mit den Blicken zu fassen, als sie zwischen den roten marmornen Löwen Correggios am Tor des Domes hindurchschritt, um im Dunkel der Kirche zu verschwinden.
Schnell wie der Wind setzte er ihr nach und trat in das Gotteshaus.
Er suchte sie in den Kapellen der Seitenschiffe unter den dort Knienden — suchte sie unter den vor den Beichtstühlen Harrenden, aber umsonst.
Endlich fand er sie!