»Du am allerwenigsten! Du willst es ja auch nicht! Du willst mich ja frei haben — du willst selbst frei sein!«

»Und wenn ich's nun nicht mehr will?«

Sie sah ihn lauernd an und lachte dann laut auf.

»Du willst mich nur versuchen, ob ich meinen Eid halte, der Kunst treu zu bleiben! Ich lasse mich aber von dir nicht nasführen, ich weiß jetzt Bescheid — ob du den Eid so oder so auslegst, soll mir gleich sein. Ich tue doch, was ich will. Und jetzt will ich — mit dir tanzen! Komm!«

Sie flog ihm um den Hals, schloß seine Lippen mit einem Kuß und tanzte mit ihm herum, daß ihm der Atem verging.

»Wird das ein Tanz werden«, jauchzte sie, »über alle Köpfe hinweg, die höchsten wie die niedrigsten! Auf sie alle setz ich den Fuß — wie gestern auf deinen! Da gibt's keine Gnade — in den Staub müssen sie alle, alle werden sie getreten, und sie sollen noch meine Hand küssen und mir für die Qual danken!«

Mit einem Sprung stand sie in der entlegensten Ecke des Zimmers und lachte, daß die weißen Perlenreihen ihres Gebisses raubtierhaft glänzten.

Er erschrak. Der Engel wandelte sich schon in einen Dämon. Er fing an zu begreifen, welches Unheil er da entfesselt hatte!

Wie, wenn's schon zu spät wäre?! Wenn's ihm nicht mehr gelänge, den Strom der Leidenschaft einzudämmen und in ruhige Bahnen zu leiten! Wenn das losgelassene Element, alles niederreißend, alles vernichtend, ins Leben hinausbrausen und ihn selbst und seine Kunst mit fortreißen und vernichten würde?!

Das durfte nicht sein! Da mußte sofort mit aller Energie eingegriffen werden!