Er ließ sie nie wieder den Schleiertanz tanzen, so sehr sie es sich auch wünschte. Die Fortsetzung von Psyche wurde auch nicht einstudiert. Fossano dichtete keine Pantomimen mehr. Sein ganzes Dichten, sein ganzes Trachten hieß fortan Baberina.

Sie wurde die große Passion seines Lebens, der Feuerbrand, in dem er als Mensch und Künstler rettungslos vergehen sollte — mit der Windeseile einer Katastrophe.

Bis jetzt war er von Blume zu Blume geflattert, feil für jede Gunst des Augenblicks — Künstler bis zu dem Fanatismus, der überzeugt alles opfert, auch das Höchste, der das Liebesleben der Kunst unterordnet und als Mittel zum Herrschen und Glänzen benutzt.

Daran hatte er geglaubt und danach gehandelt, auch als er ihre Erziehung in diese Richtung leitete.

Dann kam die Wandlung, so jäh, daß er sie erst gewahr wurde, als es zu spät war.

Das herrliche Weib, das sich ihm in einem Augenblicke heroischen Opfermuts entschleiert hatte, liebte er jetzt mit einer tiefen, wahren Leidenschaft, die ihn ganz erfüllte und die ihm das höchste Glück hätte bringen können, wenn er es nicht vorher selber mit leichter Hand zerbrochen hätte.

Er fluchte seiner Dummheit, er war außer sich ob seiner Kurzsichtigkeit, aber — es war zu spät!

Psyche war ihm für immer entflattert, ihm blieb die allzu gelehrige Schülerin, und auch sie entglitt nur zu bald der Führung eines Meisters, der sich eifersüchtig gebärdete, obwohl er ihr unbedingte Freiheit zur Pflicht gemacht hatte.

Schon in den ersten acht Tagen betrog sie ihn mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre das ganz in der Ordnung. Er erwischte sie in flagranti mit einem jungen Choristen, der ein pflaumenweiches Gesicht und leidliche Beine hatte. Diesen Adonis schlug er grün und blau und kurierte ihn so gründlich von seiner Liebeskrankheit, daß er in den nächsten vierzehn Tagen weder zum Tanzen noch zum Stelldichein kommen konnte. Und Baberina überhäufte er mit Vorwürfen.