Sie war höchst erstaunt, daß er sich über die Kleinigkeit überhaupt aufregte, sah ihn mit weit offenen Augen an und sagte mit der größten Naivität von der Welt:
»Warum hätte ich es nicht tun sollen?! Ich hatte dich ja so über alles gern! Und davon hast du mich selber kuriert. Das darf doch nicht überhandnehmen! Wie könnte ich sonst eine Künstlerin werden? Ich soll doch frei sein, insbesondere in der Liebe! Das hast du doch selber gesagt!?«
Sie schlug ihn mit seinen eigenen Worten. Und er konnte nichts dagegen sagen.
Er verbiß seinen Ingrimm und suchte Mama Campanini auf, um ihr klarzumachen, daß sie auf ihre Tochter besser aufpassen müsse. Da erlebte er die größte Überraschung.
»Passe ich vielleicht nicht auf?! Ich tue ja nichts anderes! Ich denke ja nur an sie! Tag und Nacht bin ich um ihr Glück bemüht! Ich ermahne sie stündlich, auf ihren Vorteil bedacht zu sein und sich ja nicht an einen Unwürdigen fortzuwerfen!«
»Das tut sie aber!«
»Unsinn! Das hat sie gewiß nicht nötig! — Sie braucht nur die Hand auszustrecken, dann hat sie alles, was sie will. Die reichsten Leute buhlen um ihre Gunst! Der ganze Adel von Parma macht mir ihretwegen den Hof! Ja — wir sind auf einmal begehrt! Sogar der Bischof selbst hat ——«
»Was hat er? — Hat er gewagt?« rief Fossano heftig.
»Nur ruhig, Signore! Wenn Seine Ehrwürden etwas gewagt hat — Ihr habt den Vorteil davon!«
»Der Teufel auch!«