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Der Prinz Carignan, Königliche Hoheit, ältester Prinz aus dem Hause Savoyen, Generalleutnant, Generalinspekteur der Königlichen Akademie der Musik, hatte sein Lever beendet und war bei der Morgentoilette.

In einen wattierten Schlafrock von chinesischer Seide gehüllt, saß er in einem bequemen Sessel, ließ sich die Haare kräuseln und wickeln und sie hinten zu einem koketten Beutel zusammennehmen, lauschte zerstreut auf die Erzählungen seines Friseurs und nippte dann und wann an einer Tasse Schokolade, die ihm der Kammermohr auf einem silbernen Tablett darbot. Der Kammerdiener schnallte ihm dabei die Schuhe.

Durch die offenen Balkontüren flutete der Sonnenschein; die hohen Baumwipfel draußen bewegten sich leise, ein lauer Wind trug die Düfte des Rosenparterres herein — es war ein herrlicher, stiller Sommertag.

Im durchlauchtigsten Schädel brummte und summte es wie ein ganzer Bienenschwarm. Das gestrige Souper hatte lange gedauert. Man hatte deshalb den ganzen Morgen sorgfältig vermieden, Seiner Hoheit Anlaß zum Zorn zu geben, und jede Äußerung, die als Widerspruch hätte ausgelegt werden können, ängstlich unterlassen.

Niemand, der ein Anliegen vorzubringen hatte, war gemeldet worden, ehe der Retter in der Not, der Friseur, mit den Neuigkeiten des Tages erschienen war. Zum Glück hatte der Haarkünstler heute eine besonders leichte Hand gehabt. Er war auch von den interessantesten Anekdoten geschwollen. Die Stirn Seiner Hoheit erhellte sich sichtbar. Er hatte sogar geruht, wiederholt und huldvollst zu lächeln! Das fluchwürdige Verbrechen des Garderobiers, eine Rosette des linken Hosenbeins abzureißen, wurde gnädigst übersehen und das Annähen des illustren Gegenstandes in Geduld ertragen. Der Augenblick war günstig. Auf einen Wink des Kammerdieners wagte sich der Türsteher herein und meldete, daß unter den vielen Supplikanten draußen im Vorzimmer auch der berühmte Tänzer Signore Fossano warte, um die neue italienische Tänzerin Demoiselle Barberini vorzustellen.

»Sollen morgen wiederkommen!« antwortete der Prinz und wandte sich zum Friseur. »Weiter! Das interessiert mich sehr! Seine Majestät war also gestern wieder in La Muette?«

»Ja — zum zweitenmal in einer Woche!«

»Was?!« rief der Prinz. »Zweimal in einer Woche? Das ist gegen alle Gewohnheit! Das ist noch nicht dagewesen! Da ist sicher etwas Besonderes passiert! Hast du etwas erfahren?«

»Ja!«