»Verlassen Sie das Haus, Messieurs, oder ich lasse Gewalt anwenden!«
»Dürften wir Hoheit auf die Folgen eines gewaltsamen Widerstandes gegen eine amtliche Handlung aufmerksam machen ——«
»Mais non! — Sie dürfen mich auf nichts aufmerksam machen! Sie dürfen in meiner Gegenwart den Mund nicht auftun! Man werfe sie hinaus! Geschwind! Man schaffe sie mir aus den Augen!«
Die Lakaien und Türhüter griffen zu und beförderten die unwillkommenen Gäste auf dem kürzesten Wege auf die Straße.
»Sapperment!« rief der Prinz, »wie werde ich hier bedient! Das ganze Haus habe ich gedrängt voll von Tagedieben, die nicht wissen, was sie tun sollen — die mich vor lauter Langeweile bestehlen — die mich kahl fressen, bis ich wie ein entlaubter Baum dastehe! Nicht mal so viel können sie tun, mir derartigen Besuch vom Leibe zu halten! Aber ehe ich befehle, rührt sich keiner! Ich muß mich selbst bemühen! Ich muß mich echauffieren! Ich muß mich, in höchsteigener Person, bis auf die Knochen blamiert fühlen! — Ich muß mir wie'n Gauner — wie'n Betrüger — weiß Gott, wie'n Strauchdieb vorkommen! Und ihr steht alle dumm da und gafft und laßt den Tort zu und —— wer weiß — lacht euch noch ins Fäustchen! — Ich werde euch mit Ruten streichen lassen! Ich werde euch allesamt in die Bastille werfen! — — Ah — ah! — Das überlebe ich nicht! — Das wird mein Tod! Ich fühle schon, wie mir die Galle zurücktritt! — Luft — Luft ——!«
Erschöpft sank er auf den Sessel nieder, der Friseur benutzte die Gelegenheit, ihm den Pudermantel umzuhängen und setzte seine Quaste mit einer Fermeté in Bewegung, daß der ganze Prinz in einer Wolke weißen Staubs verschwand — wischte dann schnell den Puder aus dem Gesicht — schwärzte die Augenbrauen, klebte zwei Mouchen auf ihre Plätze und hielt, als er fertig war, dem Prinzen ein silbernes Flakon mit Riechsalz unter die Nase.
Der halb Ohnmächtige sog gierig den scharfen Duft ein, seufzte leicht auf, geruhte dann kokett zu niesen, öffnete die Augen und flüsterte matt:»Darf ich nun endlich wissen, wer jene Dame war, die einen solchen Eindruck auf die Majestät, unseren allergnädigsten König, machte?«
»Madame le Normand d'Etioles«, flüsterte der allwissende Haarkünstler ihm ins Ohr, und der Prinz fuhr auf wie von einer Tarantel gestochen.
»Madame d'Etioles?! — Die kleine Poisson?! — Eine Diana bürgerlicher Extraktion?!«