»Überhaupt bei der allerersten Liaison! Noch nicht aus der Schwärmerei heraus! Und die gute du Mailly hat noch Schwestern!«
»Man spricht schon von der zweiten!«
»Man spricht erst? Dann hat's gute Weile! Der König ist ordnungsliebend! Die Familie du Nestle ist groß! Wenn er da durch ist, dann —«
»Wollen Hoheit prophezeien?« flüsterte der Friseur neugierig.
»Nein, du Schelm! Nimm aber die Börse da! Steck ein! Ich bin mit dir zufrieden! Bediene mich stets so gut wie heute!«
Der Friseur nahm die ihm zugeworfene Börse, verbeugte sich tief und ging. Der Kammerdiener räumte den Sessel und die Toilettengegenstände fort, und der Prinz, dem der Garderobier inzwischen den goldgestickten, blausamtenen Rock mit den großen brillantenen Knöpfen und dem Stern angelegt hatte, nahm den ihm gereichten Hut, ließ sich den Degen anschnallen und befahl die Karosse, um nach Versailles zum Lever des Königs zu fahren. Er hatte noch nicht den Hut aufgesetzt, als der Kriegsminister d'Argenson gemeldet wurde.
Der Minister, als echter Militär und Kavalier, war ein großer Connaisseur des Balletts, dessen Evolutionen ihm oft vertrauter waren als die der königlichen Armee. — Er trat ein, den Hut unterm Arm, und wurde äußerst aimable begrüßt.
»Eure Exzellenz wollen die Ordre de Bataille der nächsten Zeit für das Corps de Ballet geben?« rief der Prinz aufgeräumt. »Es wäre mir ein Vergnügen, mit Ihnen zusammen gleich den Schlachtplan zu entwerfen! Sie sehen mich aber im Begriff, zu Hofe zu fahren. Ich darf heute beim Lever nicht fehlen!«
»Dann haben wir Zeit«, sagte d'Argenson und ließ sich in einen Sessel nieder. »Beim König wird es heute erst um vier Uhr Tag. Wegen später Heimkehr von La Muette ist das Lever erst um diese Stunde angesagt. Bei Ihnen doch auch bekanntgegeben?«
»Nein. Da sehen Sie eben, wie nötig meine Anwesenheit ist! Man benachrichtigt mich nicht mehr! Meine lange Absence fällt schon auf!«