»Aber warum? Sie werden doch hier vergöttert! Ganz Paris liegt Ihnen zu Füßen! Alle Welt buhlt um ein Lächeln Ihrer holden Lippen —«
»Und Hoheit sehen sich trotzdem nach Ersatz um!«
»Madame, Sie wissen doch selbst am besten, wie unersetzlich Sie sind! — Brauche ich Ihnen wohl noch zu sagen, wie sehr ich das Glück schätze, Sie als Zierde der Oper bei uns zu wissen! Ich denke ja über nichts anderes nach, als wie ich Ihnen das recht deutlich zum Ausdruck bringen könnte! Gestern noch habe ich mich bei allen Juwelieren der Stadt bemüht! Nichts war mir schön genug; nichts, was mir Ihrer würdig erschienen wäre! Immerhin gestatten Sie wohl?«
Und er ergriff rasch ihre Hand, schob ihr mit Aplomb den bereit gehaltenen Brillantring an den Finger und besiegelte seine Wertschätzung mit einem Kuß auf ihre rosigen Fingerspitzen.
»Als Zeichen unwandelbarer Treue, Madame! — Hübsch, nicht wahr?« wandte er sich zu d'Argenson, auf den Solitär zeigend.
»Charmant! Ein seltenes Feuer!« antwortete der Krieger im Tone höchster Bewunderung — und blickte der Tänzerin in die Augen, um ihr anzudeuten, daß kein noch so funkelnder Diamant mit deren Glut wetteifern könnte.
Einen Augenblick war sie vom Glanz des selten schönen Steines geblendet. Dann richtete sie sich auf, streifte den Ring vom Finger und legte ihn auf den Tisch.
»Nein, Hoheit«, sagte sie, »so war es nicht gemeint! Verletzte Eitelkeit dürfen Sie mir nicht zutrauen! Ich kenne meinen Wert und weiß, daß ich hier als Künstlerin etwas gelte! Wenn ich aber die neue Tanzkunst eingeführt und ihr zum Sieg verholfen habe, so will ich auch die Ehren davon haben. Ich gebe mich nicht dazu her, für andere zu arbeiten, nur damit sie nachher bloß heranzuhüpfen brauchen, um mit lächelnder Miene die Frucht meiner Mühe für sich zu ernten! Ich will keine Brillanten für meine Person. Ich will die gebührende Anerkennung für meine Kunst — oder ich gehe!«
»Ich verstehe Sie nicht!«
»Hoheit verstehen mich nur zu gut!«