Er küßte ihre Hand — die Audienz war zu Ende. Die Ballerina beantwortete äußerst aimable die tiefen Reverenzen der beiden Kavaliere und schwebte, jetzt jeder Zoll eine triumphierende Göttin, wieder an dem Kriegsminister vorbei. Sie flüsterte ihm dabei hold zu, daß sie sich ein Vergnügen daraus machen würde, ihn in einer Stunde bei einer trüffierten Ente wiederzusehen, und verschwand.

»Demoiselle Camargo!« meldete der Türsteher, die Flügeltüren wieder weit offenhaltend!! — Und über die Schwelle rauschte jetzt eine Erscheinung, deren Glanz den der Sonne gewiß verdunkelt hätte, wenn dieser von plebejischen Neigungen angekränkelte Lichtklumpen jemals seine Schuldigkeit täte!

Es war eine hohe, schlanke Gestalt, mit fülligem, etwas süßlichem Gesicht und einer Lässigkeit in der Art, sich zu geben, die ebensosehr von verhaltenem Feuer wie von Neigung zur Bequemlichkeit zeugte — ein Temperament, das bald lustig überschäumen, bald in Trübsinn hindämmern konnte — etwas Ungewisses, Unausgeglichenes — eine Persönlichkeit mit eigenem Gesicht und selbstbewußt, aber ohne Pose! Dem Prinzen war sie aber nur eine Frau unter den vielen, die man alle nicht ernst nehmen durfte! Sie beantwortete das Kompliment der beiden Kavaliere mit gemessener Würde und lächelte, aber nur so viel, wie die Konvenienz unbedingt erforderte.

»Monseigneur«, lispelte sie nonchalant, »wollen gütigst entschuldigen, daß ich wegen einer Kleinigkeit störe!«

»Ich freue mich immer, Sie zu sehen, Mademoiselle! Womit kann ich Ihnen gefällig sein?«

»Eure Hoheit sehen mich hier, um meinen Abschied zu verlangen!«

»Mon Dieu, Sie auch!« rief der Prinz mit komischer Verzweiflung. »Soeben teilte uns Madame Sallé ihre Demission mit — weil Ihre Schönheit und Ihre Kunst die ihrige verdunkelt! Nicht wahr, Exzellenz?«

»Ganz recht!« lächelte d'Argenson.

»Sehen Sie, Madame! Und jetzt wollen Sie auf Ihren Triumph verzichten?! Sie scherzen wohl?«

»Es ist mein Ernst, Hoheit!«