»Das ist — der Tanz!«
Sie machte kehrt und sah ihn groß und fragend an.
»Ach, könnte ich's!« kam's wie ein Stoßseufzer zwischen ihren halbgeöffneten Lippen hervor.
»Du kannst es! Denn du scheinst mir den Trieb aus dir heraus zu haben! Das ist der Tanz in höchster Potenz: hinauf zu wollen und unten bleiben zu müssen — den Himmel offen zu sehen und so doppelt schwer die Abhängigkeit von der Erde zu fühlen!«
Sie sah ihn angstvoll an, sank dann plötzlich auf dem Steinboden zusammen und fing an bitterlich zu weinen.
Er hob sie auf.
»Nur nicht weinen«, sagte er. »Finde dich mit der Erde ab — sieh, wie schön sie ist, wie bunt sie in Gold und Farben glitzert! — Freue dich, daß du da bist — gib dich deiner Freude am Dasein hin — spende sie den anderen — mach auch sie den Drang hinauf vergessen — töte jene Sehnsucht, die Schmerzen bringt — tauche sie in Lust, wie's die anderen auch tun, und du wirst glücklich sein!«
Sie riß sich von ihm los, trat einen Schritt zurück und sah ihn entsetzt an.
»Folge meinem Rat! — Erkenne die Welt in ihrer ganzen Schönheit — und du wirst ihre Herrin sein und über sie gebieten!«
Nochmals blickte sie nach oben, aber draußen war eine Wolke über die Sonne geglitten, das Licht unter der Kuppel schwand, die Farben erloschen, das Wunder der Himmelfahrt hatte seine Zauberkraft eingebüßt, alles durch ihn, den schönen, selbstgefällig lächelnden Mann, der ihr sein Gift in die Ohren geträufelt hatte! — Der Teufel war er, der ihr die Erdenlust pries und ihr zu sagen schien: »All das gebe ich dir, wenn du nur nicht hinaufblickst, wenn du mir zu Füßen fällst und mich anbetest!«